Benzinverbrauch
Die banale Erklärung für den Hybridboom in den USA

In den USA wächst der Markt für Fahrzeuge mit Hybridantrieb rasant. Doch der Hype könnte vor allem dadurch enstanden sein, dass die US-Amerikaner das Sparpotential der Fahrzeuge überschätzen, sagen nun die Ökonomen Richard Larrick und Jack Soll.

FRANKFURT. Amerikaner scheinen als Volk entweder schizophren oder zutiefst gespalten zu sein. Die eine Bevölkerungshälfte kann gar nicht umweltschädlich genug agieren, die andere lässt in Sachen Umweltbewusstsein sogar die Europäer schlecht aussehen. Kaum irgendwo sonst auf der Welt werden so viele extreme Spritschlucker produziert und gefahren, andererseits haben sich spritsparende Fahrzeuge mit Hybridantrieb in den USA viel schneller durchgesetzt als in Europa.

Richard Larrick und Jack Soll, zwei Betriebswirtschaftsprofessoren von der amerikanischen Duke University, haben eine alternative Erklärung für diesen Zwiespalt - eine schrecklich banale Erklärung noch dazu. Sie beruht darauf, dass die USA ein untaugliches Maß verwenden, um Treibstoffverbrauch zu messen. Dort wird nicht wie in Europa der Verbrauch je Entfernungseinheit gemessen, sondern die Entfernung, die man mit einer bestimmten Menge Treibstoff zurücklegen kann, die sogenannte Treibstoffeffizienz (fuel efficiency). Der Missbrauch eines Reichweitenmaßes als Verbrauchsmaß führt die meisten Menschen in die Irre, wenn sie einschätzen wollen, wie etwa der Treibstoffverbrauch verschiedener Autos im Vergleich zueinander zu beurteilen ist.

Das Problem lässt sich am besten an einem Beispiel verstehen. Die Treibstoffeffizienz von 11,7 auf 15,7 Meilen je Gallone zu steigern, entspricht einer Einsparung von fünf Litern je 100 km, nämlich von 20 Liter je 100 km auf 15 Liter je 100 km. Will man weitere fünf Liter je 100 km einsparen, muss man die Treibstoffeffizienz um fast acht Meilen je Gallone steigern. Die nächsten fünf Liter Verbrauchseinsparung verlangen sogar eine Erhöhung der Treibstoffeffizienz von 23,5 Meilen je Gallone auf 47 Meilen je Gallone. Die Formel, die dahintersteht lautet: Um von Meilen (1,61 km) je Gallone (3,785 Liter) auf Liter je 100 km zu kommen, muss man 235,2 durch die Meilen je Gallone teilen. Die Umrechnung in Gallonen je 100 Meilen, was ebenfalls ein sinnvolles Verbrauchsmaß wäre, verlangt eine ähnliche Rechnung.

Der normale Mensch, selbst wenn er gebildet ist, ist hoffnungslos überfordert damit, intuitiv zu erfassen, dass eine Steigerung der Treibstoffeffizienz von 12 auf 13 Meilen je Gallone ein Vielfaches an Treibstoffeinsparung bedeutet wie eine Steigerung von 20 auf 21 Meilen je Gallone.

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