Betriebswirtschaft Die heimliche Macht der Kreditgeber

Eigentlich kümmern sich Aufsichtsräte und Aktionäre um eine gute Unternehmensführung. Eine Studie enthüllt nun eine wichtige dritte Macht: die Kreditgeber. Tatsächlich regieren sie oftmals in das operative Geschäft der Firmen hinein. Chance oder Risiko? Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick.
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Commerzbank-Chef Martin Blessing: Beispiel für umfassende Einflussnahme. Quelle: ap

Commerzbank-Chef Martin Blessing: Beispiel für umfassende Einflussnahme.

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DÜSSELDORF. Als die Übernahmeschlacht zwischen Schaeffler und Continental im vergangenen Sommer in die entscheidende Phase ging, zog ein Mann im Hintergrund viele Strippen: Commerzbankchef Martin Blessing. Er mischte bei der Vergabe von Aufsichtsratsposten mit und bei der Weichenstellung für die Zukunft des fusionierten Unternehmens. Ein formales Mandat hatte Blessing zwar nicht - mit einem Kreditvolumen von rund fünf Milliarden Euro war die Commerzbank aber ein wichtiger Gläubiger beider Unternehmen.

Blessings Verhalten, zeigen drei amerikanische Betriebswirte in einer jüngst veröffentlichten Studie, gehört zum Geschäft der Banker. Gläubigerbanken haben einen weit größeren Einfluss auf eine gute Unternehmensführung - Corporate Governance -, als Forscher und Firmenchefs bislang angenommen hatten.

Bislang waren Betriebswirte überzeugt, dass vor allem die Eigentümer und ihre Vertreter in den Aufsichtsräten auf eine gute Unternehmensführung achten. Und auch im aktuellen deutschen Corporate-Governance-Kodex spielen Kreditgeber keine tragende Rolle.

Tatsächlich regieren die Banker aber oftmals in das operative Geschäft der Firmen hinein, stellten die Forscher Greg Nini (Wharton School), David Smith (Mc Intire School of Commerce) und Amir Sufi ( Chicago Booth School) in einer aktuellen Studie fest. Grundlage der Arbeit sind detaillierte Daten von rund 8 600 börsennotierten US-Firmen aus den Jahren 1997 bis 2007.

Die Hebel, über die die Banken in den Unternehmen aktiv werden, nennen sich Covenants. Das sind Nebenbedingungen von Kreditverträgen, die den Banken Eingriffsmöglichkeiten geben - zum Beispiel, wenn der operative Cash-Flow zu gering wird oder das Verhältnis zwischen Markt- und Buchwert sinkt. In 96 Prozent aller Firmenkredit-Verträge sind solche Nebenbedingungen enthalten.

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