Bildungsökonomen: Qualität der Schulen für Wirtschaftswachstum zentral
Gute Bildung ist keine Frage des Geldes

Die Bedeutung von guter Bildung für individuellen Wohlstand und nationales Wirtschaftswachstum kann man kaum überschätzen, zeigt eine neue Studie von Bildungsökonomen. Allerdings ist es nicht damit getan, einfach nur mehr Geld in das Schulsystem zu stecken.

Mehr Geld und mehr Lehrer – das gilt in Deutschland als Königsweg aus der Bildungsmisere. „Gute Qualität von Bildung gibt es nicht zum Nulltarif“, sagt Ulrich Thöne, Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Daher müsse Deutschland seine Bildungsausgaben von derzeit gut fünf auf sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen – nur damit könnten wir „international wieder den Anschluss gewinnen“.

Aus der Wissenschaft dagegen kommen erhebliche Zweifel an dieser These. Eine Phalanx bildungsökonomischer Studien kommt zu dem Schluss: Zwischen den Ausgaben für Bildung und der Qualität des Schulsystems besteht bestenfalls ein loser Zusammenhang.

Eine Ausnahme sind Entwicklungsländer. Diese können die Leistungen von Schülern spürbar erhöhen, wenn sie dafür sorgen, dass Schulgebäude und Unterrichtsmaterial vorhanden sind und Lehrer regelmäßig zur Arbeit erscheinen. Aber sobald diese Mindeststandards erfüllt sind, gilt zum Beispiel für den Pisa-Test: „Länder mit hohen Bildungsausgaben haben im Durchschnitt genauso gute Ergebnisse wie Länder mit niedrigen Bildungsbudgets“, schreiben die Bildungsforscher Eric Hanushek (Princeton) und Ludger Wößmann (Ifo-Institut und LMU München) in einer neuen Studie.

Generell zeige die Forschung: „Eine Bildungspolitik, die Schulen einfach mit mehr Ressourcen ausstattet, aber die Strukturen des Schulsystems nicht ändert, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Leistung der Schüler nicht deutlich und systematisch steigern.“

Hanushek und Wößmann haben untersucht, wie sich Bildungssysteme verbessern lassen und wie dies das Wirtschaftswachstum beeinflusst. Ihr Ergebnis: Die Bedeutung von guter Bildung für individuellen Wohlstand und nationales Wirtschaftswachstum kann man kaum überschätzen.

Die Wissenschaftler zitieren zahlreiche Studien, die zeigen: Menschen, die überdurchschnittlich gut lesen, schreiben und rechnen können, haben auf dem Arbeitsmarkt bessere Karten und verdienen mehr. Für die USA stellten zum Beispiel Studien fest: Schüler, die ihn ihrem Jahrgang zu den besten 15 Prozent in Mathe gehören, verdienen später zehn bis fünfzehn Prozent mehr als durchschnittliche Schüler.

Auch gesamtwirtschaftlich zahlt sich bessere Bildung aus – eine ganze Reihe von Studien spricht dafür, dass es einen Kausalzusammenhang gibt zwischen Bildungsniveau und Wirtschaftswachstum eines Landes. Mit einer auf diesen Arbeiten basierenden Simulationsrechnung haben die Wissenschaftler die Frage untersucht: Was passiert, wenn ein Industrieland es schaffen würde, bis 2025 die Leistungen seiner Schüler so zu erhöhen, dass das durchschnittliche Pisa-Testergebnis von 500 auf 540 steigt?

Das Ergebnis ist zwiespältig: In den ersten beiden Jahrzehnten hätte dies keine spürbaren Wirkungen auf das Wirtschaftswachstum – schließlich dauert es, bis die besser gebildeten Schüler ihre Ausbildung abgeschlossen haben und auf dem Arbeitsmarkt aktiv werden. Wenn sie aber voll im Berufsleben stehen, zahlt sich die Sache aus. Im Jahre 2037 wäre die Wirtschaftsleistung fünf Prozentpunkte höher als im Status quo.

So eindrucksvoll die Wissenschaft die positiven Wirkungen guter Bildung für eine Nation aber auch belegen kann: Dafür, was die Politik konkret für bessere Schulen tun kann, liefert sie keine einfachen Rezepte. Klar ist nur so viel: Auf die Lehrer kommt es an. „Es gibt immer mehr Anzeichen, dass die Qualität der Lehrer für die Performance der Schüler eine entscheidende Rolle spielt“, schreiben die Forscher.

Was aber einen guten Lehrer im Detail ausmacht und wie man als Staat für besonders gute Lehrer sorgen kann, sei wissenschaftlich kaum zu greifen. So zeigen Studien: Die Examensnoten oder die formale Ausbildung sind kein zuverlässiger Indikator für die Qualität des Lehrpersonals. „Regulatorische Reformen zur Verbesserung der Qualität der Lehrer sind daher sehr schwer“, betonen die Forscher.

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