Bildungspolitik
Warum Boni für Lehrer keine gute Idee sind

Bei Managern sind Bonuszahlungen an der Tagesordnung. Lassen sich auch Lehrer mit mehr Geld zu besseren Leistungen animieren? Eine US-Studie kommt zu  ernüchternden Ergebnissen.
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Es sollte der große Wurf werden. Ein Modell für das ganze Land, eine Revolution im Bildungswesen. Im Oktober 2007 stellten New Yorks Bürgermeister, der Schuldezernent und der Präsident einer Lehrergewerkschaft gemeinsam ein spektakuläres Projekt vor: Bonuszahlungen für Lehrer. Damit wollten sie die New Yorker Schulen auf Vordermann bringen. Wenn sich guter Unterricht für Lehrer finanziell auszahle, steige die Motivation der Pädagogen, die Leistungen der Schüler und es verbessere sich das Klima an den Schulen, so das Kalkül. Mehr als 50 Millionen US-Dollar an Leistungsprämien sind seitdem in die Schulen geflossen. Der Harvard-Professor Roland Fryer hat jetzt untersucht, wie sie gewirkt haben. 

Sein Urteil fällt niederschmetternd aus. "Das Anreizsystem hat den Lernerfolg in keiner statistisch messbaren Weise beeinflusst", schreibt Fryer in einer Studie mit dem Titel "Teacher incentives and Student Achievement: Evidence from New York".

Wenn überhaupt, dann wirkten die Bonuszahlungen an großen Schulen eher kontraproduktiv. Dort haben sie die Leistungen der Schüler womöglich verschlechtert. 

Für Harvard-Ökonom Fryer war das Pilotprojekt ein Glücksfall: Weil nur 233 von 400 öffentlichen Schulen und Hochschulen in New York City Erfolgsprämien in Aussicht gestellt wurden, konnte der Forscher die Effekte klar identifizieren.  Die nicht berücksichtigten Schulen dienten als Kontrollgruppe. 

Ausschlaggebend dafür, ob eine Schule am Jahresende eine Prämie einstreichen konnte, waren die Leistungen der Schüler und ihre Lernfortschritte. Außerdem zählten die Bewertungen, die Schüler, Lehrer und Eltern der eigenen Schule ausstellten. Die Verantwortlichen werteten unter anderem mathematische Vergleichstests, die Prüfungserfolge von Studenten und Fragebögen zum Lernumfeld aus. 

Wenn die Bildungseinrichtungen bestimmte Zielvorgaben erreichten, erhielt eine Schule im Schnitt einen Bonus von 180000 Dollar. Im ersten Jahr erhielten alle Schulen zusammen 22 Millionen Dollar, im zweiten waren es 31 Millionen. 

Wie die Einrichtungen den Geldregen intern verteilen, war ihnen selbst überlassen. Ein Gremium aus Schulleiter und Lehrern entschied, ob bestimmte Pädagogen oder das gesamte Kollegium profitieren sollen. 80 Prozent der Schulen entschieden sich für eine möglichst gleiche Verteilung. 

Ökonom Fryer stellte fest: Weder verbesserten sich die Noten, noch veränderte sich die Atmosphäre an den Schulen in Richtung gesteigerter Leistungsbereitschaft. 

Die Lehrer veränderten ihr Verhalten trotz verlockender Boni nicht. Sie waren genauso oft krank wie zuvor - und suchten sich auch genauso häufig Jobs an einer anderen Schule. Selbst die Fragebögen, mit denen sie das Bild ihrer Schule aufpolieren konnten, füllten sie nicht häufiger aus als Kollegen in Vergleichsschulen ohne Leistungsanreiz. "Das deutet darauf hin, dass Lehrer nicht den kleinsten Aufwand aufbrachten, um die Boni zu verdienen", schreibt Fryer. 

Das hatte der Forscher so nicht erwartet. In Entwicklungsländern haben vergleichbare Experimente gewirkt - daher dachten Ökonomen bislang , dass das Leistungsprinzip auch bei Pädagogen funktioniert. 

Weshalb das Geld die New Yorker Lehrer nicht anspornte, darüber kann Fryer nur spekulieren. Dass die Boni zu gering waren, schließt er aus. Er vermutet, dass das Anreizsystem schlicht zu kompliziert und undurchschaubar war. Die Lehrer wussten vorher nicht genau, wie viel sie sich anstrengen müssen - unklar war auch, welche Leistungen die Schüler am Ende bringen müssen. Bei zu viel Intransparenz verpuffen offenbar die Geldanreize. 

Mehr zum Thema: "Vom Drogendealer zum Harvard-Professor" - lesen Sie unser Porträt über den beeindruckenden Werdegang von Roland Fryer.

Kommentare zu " Bildungspolitik: Warum Boni für Lehrer keine gute Idee sind"

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  • die Boni der Banker haben mit Leistung nicht das gerigste zu tun, sondern finden in einer von der Politik überrechtlich, also absoluten Fürsten oder Diktatoren gleichen Freizone der kriminellen Plünderung und Enteigung statt.

  • Ob die Lehrer wirklich nicht das Bonussystem begriffen haben, das möchte ich mal zurückweisen - so doof sind Lehrer meist nicht.

    Wahrscheinlicher ist, daß die Leistungsprobleme an den Schulen überhaupt nicht verbessert werden konnten, weil die Ursachen ganz woanders liegen.

  • Wenn überhaupt, dann wirkten die Bonuszahlungen an großen Schulen eher kontraproduktiv. Dort haben sie die Leistungen der Schüler womöglich verschlechtert.


    ganz wie bei den Manager, das hindert aber keinen von denen, ihre gierige Selbstbedienungsmentalität einzustellen - im Gegenteil.

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