Das schwere Geschäft des Belohnens und Motivierens
Was Vorgesetzte von Affen lernen können

Affen sind auch nur Menschen, zeigt eine neue Studie von Biologen und Psychologen: Wenn sie für eine Tätigkeit weniger stark belohnt werden als ein Artgenosse, dann streiken sie. Experimente mit Menschen kommen zum gleichen Ergebnis. Für Führungskräfte folgt daraus: Wer Mitarbeiter zur Auszeichnungen anspornen will, muss höllisch aufpassen, damit nicht andere zu demotivieren.
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Wenn Vorgesetzte etwas für die Motivation ihrer Mitarbeiter tun wollen, ist Gefahr im Verzug. Denn das Belohnen und Motivieren ist ein schwieriges Geschäft, bei dem man viel falsch machen kann. Wie viel, das zeigen zwei neue multidisziplinäre Studien, von denen die sich die eine mit Kapuzineraffen beschäftigt, die andere mit Menschen im Gehirn-Scanner.

Dass das Thema Anreize erhebliche Fallstricke gibt, wissen verhaltensorientierte Ökonomen schon länger. Groß ist zum Beispiel die Gefahr, dass materielle Belohnungen die innere Leistungsmotivation der Mitarbeiter verdrängen. Wo sie vorher das innere Bedürfnis hatten, ihre Sache gut zu machen, strengen sie sich möglicherweise nach Einführung eines Belohnungssystems nur noch an, wenn sie dafür besonders vergütet werden. Außerdem kann es passieren, dass man zu starke Anreize setzt und damit den Teamgeist schädigt oder gar Sabotage fördert.

Die neuen Studien beleuchten nun einen Aspekt, der bisher erst wenig erforscht ist: Ein soziales Wesen schätzt Belohnungen nicht nur wegen ihres (Geld-)Werts, sondern auch, weil sie etwas darüber aussagen, welche Wertschätzung ihm entgegen gebracht wird. Dabei kommt sehr viel darauf an, wie man im Vergleich zu anderen darsteht.

Das ist sogar bei Affen so, haben amerikanische Biologen und Psychologen in gemeinsamen Experimenten festgestellt. Die Forscher brachten Kapuzineraffen durch Belohnung mit Gurkenstückchen dazu, recht zuverlässig die Aufgabe zu erfüllen, dem Experimentator einen Stein in die Hand zu drücken. Wenn ein Affe allerdings sah, dass im Nachbarkäfig ein Artgenosse für die gleiche Leistung eine im Vergleich zu Gurken schmackhaftere Weintraube bekam, dann streikte er – ebenso, wenn er bemerkte, dass ein anderes Tier für ein Gurkenstück weniger tun musste.

Ähnliche Experimente machten Hirnforscher und Ökonomen der Universität Bonn mit Menschen. Allerdings schauten sie den Probanden dabei ins Hirn, um zu sehen, was dort vorging.

Paarweise ließen sie die Versuchsteilnehmer Schätzaufgaben lösen. Dabei untersuchten die Forscher mit Magnetresonanz-Tomographen die Hirnaktivität. Anhand der Durchblutung maßen sie, wie stark das „Belohnungszentrum“ im Hirn aktiviert war. Ist es stark in Betrieb, dann empfinden wir eine Tätigkeit als angenehm und sind motiviert, sie zu wiederholen.

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