Depressionen Zu viel Wandel macht Mitarbeiter krank

Das Credo der modernen Welt: Alles muss in Bewegung bleiben. Stillstand ist Rückschritt. Doch eine Studie zeigt nun: Zu viel Wandel in einem Unternehmen macht dessen Mitarbeiter sogar krank. Depressionen sind die Folge.
7 Kommentare
Beschäftigte von Firmen, die umgebaut werden, leiden häufiger an Depressionen. Quelle: dpa

Beschäftigte von Firmen, die umgebaut werden, leiden häufiger an Depressionen.

(Foto: dpa)

LondonZitieren lassen sie sich damit nicht. Aber im Vier-Augen-Gespräch brüsten sich manche Manager gern damit, regelmäßig ihr Unternehmen umzukrempeln. „Veränderungen sind positiv“, sagt der Chef eines britischen Konzerns, der stolz darauf ist, das Unternehmen in vier Jahren viermal umgebaut zu haben. „Es ist gut, wenn sich die Mitarbeiter nicht an Organisationsstrukturen gewöhnen, sondern in Bewegung bleiben.“

Seine Mitarbeiter dürften ihn dafür verfluchen. Und zu viel Wandel führt nicht nur zu Unmut, sondern macht krank. Zu diesem Ergebnis kommt der dänische Ökonom Michael Dahl (Universität Aalborg) in einer bemerkenswerten Studie.

Anhand von Daten von knapp 93.000 Beschäftigten aus mehr als 1.500 dänischen Großunternehmen zeigt Dahl: Beschäftigte von Firmen, die umgebaut werden, leiden viel häufiger an Depressionen und Schlaflosigkeit.

„Grundlegender, breit angelegter organisatorischer Wandel kann deutlich negative Folgen für das Personal haben“, heißt es in der Studie. Darunter leide auch das Unternehmen insgesamt. Schließlich seien depressive oder übernächtigte Beschäftigte weniger leistungsfähig und einsatzbereit.

Dahl nutzt für seine Arbeit drei verschiedene Datenquellen, die er miteinander verbindet. Ausgangspunkt ist eine Umfrage des dänischen Statistikamtes unter 1500 Unternehmenschefs. Diese gaben unter anderem Auskunft darüber, ob und in welchem Ausmaß ihre Firma innerhalb von zwei Jahren umstrukturiert wurde und wie das aussah. Die Ergebnisse kombinierte der Forscher mit detaillierten Sozialversicherungsdaten über die Beschäftigten der befragten Firmen. Und dank der liberalen Datenschutzgesetze Dänemarks konnte Dahl diese Informationen auch noch mit einer Datenbank des dänischen Gesundheitssystems zusammenzufügen, in der die Krankengeschichten sämtlicher Beschäftigte detailliert erfasst sind.

All diese Daten sind anonymisiert, so dass sich die konkreten Personen nicht identifizieren lassen, aber der Forscher kann für jeden einzelnen Beschäftigten für die Zeit 1995 bis 2003 nachvollziehen, ob und wann ihm ein Arzt Antidepressiva oder Schlafmittel verschrieb.

Je radikaler, desto stärker der Effekt

Dahl stellt fest: Wenn es in Unternehmen zu internen Umorganisationen kommt, steigt die Zahl der Mitarbeiter, die Medikamente gegen Depressionen oder Schlafstörungen einnehmen, spürbar an. Je radikaler und tiefgreifender der Wandel, desto stärker ist dieser Effekt. „Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der organisatorischen Änderungen in einer Firma und der Verschreibung von Anti-Stress-Medikamenten“, schreibt der Forscher. Als besonders krankmachend erweisen sich Änderungen, die die Kooperation oder Kommunikation zwischen den Beschäftigten fördern sollen.

Die Ergebnisse sind unabhängig vom Alter, Geschlecht und der familiären Situation der Beschäftigten. Es ist nicht so, dass per se ältere Mitarbeiter oder solche, die gerade mit einer Scheidung kämpfen, schlechter mit Veränderungen bei ihrem Arbeitgeber zurechtkommen.

Dahl kann auch noch einen weiteren Faktor als Ursache für das Phänomen ausschließen: Umstrukturieren spielen sich in der Regel nicht in Unternehmen ab, die ums wirtschaftliche Überleben kämpfen müssen, sondern in solchen, die stark wachsen.

Die Studie ist kein generelles Argument gegen den Umbau von Konzernen, allerdings macht sie deutlich, dass dieser auch mit versteckten Kosten einhergeht. Diese sollte das Management sorgfältig gegen die Vorteile abwägen – und nicht Wandel zum Selbstzweck erklären.

 

„Organizational Change and Employee Stress“, von Michael Dahl, in: Management Science (2011)
Kostenloser Download der Studie: handelsblatt.com/link

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Depressionen - Zu viel Wandel macht Mitarbeiter krank

7 Kommentare zu "Depressionen: Zu viel Wandel macht Mitarbeiter krank"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zu…
    28.10.2011, 23:46 Uhr
    DerBernd
    .
    Ja, das läßt sich nicht mehr verbergen. Die Gesundheit vieler leidet.
    ----------------------------------------------------------
    Wie Wahr…
    .
    Wie wir täglich erleben,
    erreicht Weisheit nicht jeder.
    .
    Bei sehr vielen ist die Intelligenz
    an der Bordsteinkante hängen geblieben.
    .
    Besserung ist aber leider auch nicht in Sicht!
    .
    Das hätte nämlich mit Intelligenz zu tun,
    gerade die ist nicht weit verbreitet!

  • Vorgesetzte, Chefs, diese ganzen möchte gern Größen…

    >>>Wie in der Politik, Leuchten & Koryphäen<<<

    Da es viele nicht wissen,
    Intelligenz kann man nicht studieren!
    .
    Intelligente Menschen würden so nicht agieren,
    denn wenn man es vorher zu Ende denkt,
    kommt man nämlich selber drauf,
    so etwas geht nach hinten los…
    .
    Genau wie seinerzeit die Werbung
    .
    Geiz ist Geil…
    .
    Ist zu Ende gedacht auch HOHL…
    .
    Ich habe nie verstanden warum dass alle so toll fanden…
    .
    Weil niemand NACHDENKT!
    .
    Dummheit, Naivität und Ignoranz schützt eben nicht vor der Wirklichkeit!
    .
    Diese ganzen Wesen (Leuchten & Koryphäen) sind ausgeprägt…
    .
    Perfide
    Hinterhältigkeit, Hinterlistig, Tücke, perfide Handlung od. Äußerung,
    auf besonders heimtückische Art böse, hinterhältig.
    „Dämlich“!
    .
    PERFIDES, HOHLES, TEURES AGIEREN!

  • Etwas zum Lesen: http://www.schubaeusmodell.de/fileadmin/files/Dokumente/Regelwerk.pdf

  • Das Problem der ständigen Organisationsveränderungen trifftb- laut Studie - besonders auf stark und schnell wachsende Unternehmen zu. Diese Unternehmen kämpfen in der Regel mit dauerhaft zu geringer Personaldecke - sprich: Die Mitarbeiter sind über einen längeren Zeitraum stark belastet, Überbelastung ist eher die Regel als die Ausnahme. Wenn dann die Mitarbeiter auch noch neben ihrer Tagesroutine in diverse (Organisations-)Projekte eingebunden werden, die wegen fehlender Zeit und Motivation bei den Mitarbeitern meist nicht wirklich gründlich und sauber umgesetzt werden (können), braucht man keine Studie, um zu ahnen, daß das negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeiter und das Betriebsklima haben muß. Dazu reicht auch gesunder Menschenverstand. Der scheint aber im Management so mancher Firma abhanden gekommen zu sein, wo die Mitarbeiter nicht mehr als Personen sondern nur noch als "Faktor Arbeit" betrachtet werden.

  • Unser Leben wird von einem Wirtschaftssystem geprägt, welches ohne immer währendes Wachstum in sich zusammen fällt. Dieses Wachstum wird durch die Erzeugung von ständig neuen Bedürfnissen aufrecht erhalten. Die Folge ist zwangsläufig ewige Unruhe und Unzufriedenheit, die nicht nur die Menschen, sondern auch die Natur letztlich krank machen. Aber dieses Wirtschaftssystem ist ja laut allgemeinem Konsens alternativlos. Wir werden alle an unserem Gold ersticken.

  • Ja schneller,Höher,Weiter egal was es kostet. Natürlich noch Kinder zeugen immer schön adrett in der Firma gierig auf Leistung, ein blendaxlächel auf den Gesicht und natürlich wenn es der Firma schlecht geht sagt der Chef Lohnverzicht und noch mehr arbeiten ehrensache.Ich bewundere die Fortschritte in der Arbeitswelt, der nach schweiss stinkende Prolet ist entsorgt die Heile Welt ist geboren,wie schön der See doch ausschaut, nur unter der Oberfläche sieht man ein hauen und stechen. arum spring ein Löwe nur so gerne durch ein brennenden Reifen wo es doch garnicht seiner Natur entspricht ?

  • Ja, das läßt sich nicht mehr verbergen. Die Gesundheit vieler leidet.

    Aber es ist nicht nur die Flexibilisierung der Arbeitswelt die Ursache. Noch etwa 20 Jahren viel spätesten am Samstag mittag für die meisten Menschen der Hammer. Wochenende. Alle Läden zu - Langeweile und Erholung war angesagt. Nur Straßenbahnen, Kneipen, Kino, Theater und Schwimmbäder oder ähnliche hatte geöffnet.

    Und heute? Nahezu rund um die Uhr hektisches Treiben. Wer überlegt verliert den Anschluß. Volle Kraft voraus - egal wohin.

    Ich bin kein religiöser Mensch aber an der Maßgabe, 6 Tage zu arbeiten und den 7-ten Tag zu ruhen, da scheint was dran zu sein. Und offensichtlich ist es erholsamer, wenn alle zusammen ruhen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%