Essay
Konjunkturpakete: Bedingt wirksam

Angesichts der gesellschaftlichen Kosten der Arbeitslosigkeit sind Konjunkturprogramme notwendig. Doch die nun geschnürten Konjunkturpakete zeugen nicht gerade von einer nachhaltigen Strategie der Politik. Schmerzhafte Konsequenzen der Krise werden nicht vermeidbar sein, schreibt der Dortmunder Volkswirt Andreas Schabert in einem Gastbeitrag.

Keine zwei Jahre ist es her, dass sich Ökonomen mit der "Great Moderation" beschäftigten. Angesichts stabiler Wachstumsraten auf hohem Niveau und moderater Inflationsraten in den letzten Jahrzehnten hatte die aktive Rolle der Geld- und Fiskalpolitik in vielen Industrieländern scheinbar an Bedeutung verloren. Zentralbanken sollten in erster Linie Inflationserwartungen stabilisieren, während sich die Fiskalpolitik primär mit der Konsolidierung des Staatshaushaltes befassen sollte.

Seit dem Spätsommer 2007, als die Finanz- und Konjunkturkrise sichtbar wurde, hat sich vieles geändert. Hatten im Frühjahr 2008 steigende Rohstoffpreise noch zu Inflationsängsten geführt, sorgt uns ein Jahr später die Deflation. Auch die Rolle der Geldpolitik ist nicht mehr dieselbe. Weltweit versuchen Zentralbanken, der gestiegenen Liquiditätsnachfrage nachzukommen, und sind zu einer Niedrigzinspolitik übergegangen. Während die EZB noch einen kleinen Spielraum hat, ist dieser bei der US-Notenbank Fed fast nicht mehr vorhanden. Wir erreichen die Liquiditätsfalle, in der die herkömmliche Geldpolitik wirkungslos ist.

Im selben Zeitraum nährten Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zunächst noch die Hoffnung auf einen nur moderaten Abschwung. Mittlerweile jedoch schrumpft auch bei uns das BIP in außergewöhnlicher Weise. Auch die Fiskalpolitik hat sich gewandelt. Konsolidierungsbemühungen sind in den Hintergrund gedrängt worden, milliardenschwere Konjunkturprogramme wurden verabschiedet und Rettungsschirme aufgespannt. Eine Diskussion über die Wirkungen der fiskalischen Maßnahmen und die Tragfähigkeit der Finanzierung über Schulden dominiert jetzt die wirtschaftspolitischen Debatten dies- und jenseits des Atlantiks.

Was aber hat uns überhaupt in diese Lage gebracht? Die Begriffe Subprime-Krise oder Finanzkrise suggerieren, dass der Ausgangspunkt und die Schuldigen einfach zu identifizieren sind. Faule Kredite und in Not geratene Banken sind keine Seltenheit, sondern sind in aufstrebenden Märkten mit einer selbstverständlich erscheinenden Regelmäßigkeit zu beobachten. In den USA hätte man - mit Ausnahme einiger Hellseher - eine solche Krise allerdings nicht erwartet.

Wie wir jetzt sehen, sind es eben diese Erwartungen, die von zentraler Bedeutung sind: Erwartete Preissteigerungen von Vermögensanlagen waren mit- oder gar hauptverantwortlich für das massive Kreditwachstum und niedrige Sparquoten in den USA. Zur selben Zeit haben Akteure und Analysten Ausfallwahrscheinlichkeiten unterschätzt und Risiken falsch bewertet. Ein unerwartetes Absinken der Preise auf dem Immobilienmarkt hatte in dieser Situation fatale Folgen.

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