Falsches Spiel
Trau keiner Investmentbank!

Wenn Investmentbanken Beratungsgebühren berechnen, bedeutet das noch lange nicht, dass Sie unabhängig beraten. Drei Ökonomen aus Europa und den USA können empirisch nachweisen, dass beratende Investmentbanken und mit diesen verbundene Anlagegesellschaften oft ihr eigenes Spielchen spielen.
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FRANKFURT. Sie wollen ein Konkurrenzunternehmen oder einen Lieferanten kaufen? Sie tun so etwas nicht jeden Tag und vertrauen deshalb auf eine Investmentbank, die sich mit Fusionen und Übernahmen auskennt, damit diese das Geschäft so einfädelt, wie es für Ihr Unternehmen am günstigsten ist? Sie sollten neu nachdenken.

Dass die Investmentbanken Ihnen hohe Beratungsgebühren in Rechnung stellen, bedeutet offenbar nicht immer, dass sie Sie unabhängig beraten. Denn drei Ökonomen aus Europa und den USA konnten empirisch nachweisen, dass beratende Investmentbanken und mit diesen verbundene Anlagegesellschaften oft ihr eigenes Spielchen spielen.

Durch die Auswertung von Pflichtmitteilungen bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC stellten Andriy Bodnaruk, Massimo Massa und Andrei Simonov fest: Die beratenden Häuser und deren Tochter- oder Schwestergesellschaften bauen häufig vor einer Übernahme größere Aktienpositionen beim Übernahmeziel auf. Typischerweise steigt im Zuge einer Übernahme dessen Aktienkurs kräftig. Und die beratende Investmentbank kennt die Übernahmepläne vor allen anderen. Simonov schätzt, dass Institute, die solche Aktienpositionen aufbauen, damit im Durchschnitt vier bis sechs Millionen Dollar pro Beratungsfall neben den Beratungsgebühren verdienen.

Die großen Investmentbanken versichern, dass sie die Informationen, die sie als Berater gewinnen, nicht weitergeben. Das ist schließlich verboten, müssen doch zwischen den verschiedenen Abteilungen sogenannte "Chinese Walls" gezogen werden, die verhindern, dass mit Insiderinformationen Geld gemacht wird oder dass Interessenkonflikte entstehen. Wenn es aber tatsächlich mal vorkommt, dass sich das institutionelle Umfeld der beratenden Investmentbank frühzeitig mit Aktien des Übernahmeziels eindeckt, dann ist das nach dieser Lesart entweder Zufall oder gutes Gespür des Verantwortlichen, aber kein Insiderhandel.

Doch der Zufall schlägt ziemlich häufig zu, haben die Ökonomen in ihrer finanzforensischen Arbeit festgestellt. In Quartalen vor Bekanntgabe des Kaufangebots halten 29 Prozent der Berater einer Käuferpartei im Konzern Aktien des Kaufziels. Bei denen, die an dem entsprechenden Deal nicht beteiligt sind, sind es nur 14 Prozent, also weniger als halb so viele. Das Volumen ist beträchtlich. Bei denen, die eine Position aufgebaut haben, beträgt sie im Durchschnitt über ein halbes Prozent des Aktienkapitals. Das dürfte reichen, um den Preis der Zielaktie nach oben zu treiben und damit die Übernahme teurer zu machen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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