Finanzkrise
Banker sind überbezahlt – wie schon 1929

Seit Mitte der neunziger Jahre sind die Gehälter im Finanzsektor dramatisch angestiegen, zeigt eine neue Studie von zwei US-Ökonomen. Warum ein Großteil dieser Entwicklung ökonomisch nicht gerechtfertigt war - und auf welche erstaunlichen historischen Parallelen die Wissenschaftler gestoßen sind.
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DÜSSELDORF. Fast 20 Milliarden US-Dollar an Boni haben Banker in den USA im Krisenjahr 2008 kassiert - genau so viel wie 2004, als die Welt noch in Ordnung war. "Das ist der Gipfel der Verantwortungslosigkeit", kritisierte US-Präsident Barack Obama. In Zeiten, in denen die Geldinstitute nur dank massiver Staatshilfen überleben, sollten die Banker mehr "Zurückhaltung und Disziplin" zeigen, forderte Obama Ende Januar.

Die Maßlosigkeit der Finanzbranche hat System, zeigt eine neue Studie mit dem Titel "Wages and Human Capital in the U.S. Financial Industry: 1909-2006". Thomas Philippon von der New York University und Ariell Reshef von der University of Virginia stellen darin fest: Bereits seit Mitte der neunziger Jahre sind US-Banker systematisch und massiv überbezahlt.

Im Finanzsektor konnten gut ausgebildete Akademiker im vergangenen Jahrzehnt deutlich mehr verdienen als in anderen Branchen, und die Gehälter sind überproportional schnell gestiegen, zeigt die Analyse von Philippon und Reshef. Besonders extrem war die Entwicklung im Investment-Banking.

Banken müssten zwar gut ausgebildete Mitarbeiter, die Börsengänge organisieren, Kreditrisiken bewerten und andere komplexe Aufgaben übernehmen, entsprechend bezahlen, räumen die Forscher ein. Doch seien ab Mitte der neunziger Jahre die Gehälter derart fürstlich gewesen, dass sie mit solchen Argumenten allein nicht mehr zu rechtfertigen gewesen seien.

Lediglich 50 bis 70 Prozent der Lohnunterschiede zur restlichen Privatwirtschaft ließen sich mit den höheren Anforderungen an das Personal in der Finanzbranche erklären. Die restlichen 30 bis 50 Prozent sind laut Studie leistungsloses Einkommen - eine ungerechtfertigte "Rente", wie es im ökonomischen Fachjargon heißt.

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