Fusionen
Wenn zwei sich zusammentun, freut sich der Dritte

Ärger über Fusionen der Konkurrenz ist meist unnötig. Denn wenn zwei Konkurrenten sich zusammenschließen, profiert davon meistens ein unbeteiligtes drittes Unternehmen. Nach einem Zusammenschluss steigen nach neusten Forschungsergebnissen vor allem die Aktienkurse der unbeteiligten Konkurrenz.
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DÜSSELDORF. Das Topmanagement des amerikanischen Ölkonzerns Chevron Texaco ist alarmiert, als es von den Fusionsplänen zweier Konkurrenten hört: Phillips Petroleum und Conoco wollen sich Anfang 2002 zusammenschließen und zum weltweit sechsgrößten Öl- und Erdgaskonzern aufsteigen. Das will Chevron verhindern. Das Unternehmen fürchtet, ins Hintertreffen zu geraten, und will deshalb lieber selbst Phillips oder Conoco übernehmen.

Chevron scheitert mit dieser Strategie. Der Konzern kann die Fusion der Wettbewerber nicht stoppen. Ohnehin ist bereits der Versuch, diese Pläne zu hintertreiben, völlig unnötig. Ebenso wie der Ärger darüber. Denn es bringt dem Dritten eher Vorteile und nicht all die Nachteile, die Chevron fürchtet, wenn zwei Unternehmen sich zusammenschließen. Das zeigt eine Studie von Joseph Clougherty und Tomaso Duso (beide forschen am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung), die demnächst im „Journal of Management Studies“ erscheinen wird.

Die Ökonomen haben untersucht, wie sich Fusionen auf unbeteiligte Wettbewerber auswirken. Es gebe bereits genug Forschung darüber, dass das übernommene Unternehmen stärker von einem Zusammenschluss profitiert als der Käufer und dass Fusionen Unternehmenswerte eher vernichten, als sie zu steigern, schreiben die Wissenschaftler. Eine wichtige Frage sei bislang aber noch unbeantwortet geblieben: Ist die Vorstellung, dass ein Unternehmen unter der Fusion zweier Konkurrenten leidet, nur ein Vorurteil oder trifft das wirklich zu? Diese Lücke wollen Clougherty und Duso mit ihrer Studie schließen.

Zu diesem Zweck haben sie 165 große Zusammenschlüsse aus den Jahren 1990 bis 2002 analysiert. Die Wirkung auf den Käufer, das Übernahmeobjekt und den Wettbewerber messen sie anhand der Aktienkursentwicklung des jeweiligen Unternehmens kurz nach Bekanntgabe der Fusionspläne.

Die beiden Wissenschaftler untersuchen, ob es zu überdurchschnittlichen Kurssprüngen kam. Dabei berücksichtigen sie auch, dass möglicherweise regelrechte Fusionswellen ungewöhnlich hohe Kurssteigerungen auslösen können. Solche Effekte rechnen Clougherty und Duso heraus, um von solchen Trends unabhängig betrachten zu können: Wie bewertet der Markt eine bestimmte Fusion? Und wer profitiert davon? Nur die beteiligten Firmen oder auch Außenstehende?

Clougherty und Duso gehen davon aus, dass unbeteiligte Unternehmen von Firmenzusammenschlüssen grundsätzlich auf zweierlei Weise profitieren können: Einerseits, weil nach einer Übernahme die Zahl der Konkurrenten insgesamt sinkt, diese auf einen größeren Marktanteil kommen und möglicherweise sogar ihre Preise erhöhen können. Andererseits, weil Fusionen häufiger schiefgehen als gedacht und nicht die erhofften Effizienzgewinne bringen. Auch in diesem Fall sinkt der Druck auf die Wettbewerber eher, als dass er zunimmt.

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