Gehaltsvergleich
Unwissenheit schützt vor Neid und Frust

„Über alle Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse einschließlich des Inhalts der Gehaltsregelung ist Stillschweigen zu bewahren“, heißt es oft in Arbeitsverträgen. Zu Recht, zeigt eine neue Studie. Denn totale Transparenz bei den Einkommen sät Neid und Frust.
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LONDON. Deutsche Arbeitgeber stellen diese Angaben gern auf eine Stufe mit sensiblen Kundendaten und vertraulichen Geschäftsstrategien: das Gehalt ihrer Mitarbeiter. „Über alle Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse einschließlich des Inhalts der Gehaltsregelung ist Stillschweigen zu bewahren“, heißt es oft in Arbeitsverträgen.

Was würde passieren, wenn jeder Beschäftigte genau wüsste, was die lieben Kollegen verdienen? Diese Frage haben Forscher der Universitäten Berkeley und Princeton in einem einzigartigen Feldexperiment jetzt erstmals beantwortet.

Die Studie mit dem Titel "Inequality at Work: The Effect of Peer Salaries on Job Satisfaction“liefert faszinierende Belege dafür, wie sehr Statusdenken und soziale Vergleiche unser Leben dominieren. Das relative Einkommen ist uns weit wichtiger als das absolute Niveau. Unternehmen tun daher gut daran, dass sie ihre Gehaltsstruktur geheim halten. Ansonsten verbreiten sich Neid und Missgunst, und die Motivation vieler Beschäftigter leidet.

Die Wissenschaftler nutzten eine Besonderheit des US-Bundesstaates Kalifornien. Der muss seit drei Jahren offenlegen, welcher Bedienstete wie viel verdient. Das hat ein Gericht so entschieden. Seit Anfang 2008 kann jeder im Internet mit wenigen Mausklicks abrufen, dass zum Beispiel der Autobahn-Polizist Terence P. Munoz ein Jahresgehalt von 122.328,21 Dollar hat und Jeff Tedford der teuerste Staatsdiener ist. Der Trainer der Football-Mannschaft der Berkeley-Universität verdient 2,3 Millionen Dollar.

Wenige Wochen nachdem diese Informationen erstmals online verfügbar waren, starteten die Ökonomen eine Umfrage unter den Beschäftigten von drei staatlichen Universitäten in Los Angeles, Santa Cruz und San Diego: Wie zufrieden sind sie mit ihrer Arbeit? Fühlen sie sich angemessen bezahlt? Schauen sie sich nach einem neuen Job um?

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  • Die größte Schwieirgkeit besteht jedoch darin: Das Gehalt wird durch das Elternhaus bestimmt.

    Auch in den USA. Vom tellerwäscher zum Millionär eben diese Mär wird hochgehalten durch reiche Kinder die mal ein paar Monate wohlkonstruiert im Niedriglohnbereich gearbeitet haben und anschlie0end trotzdem wieder in den TOP Positionen zu sitzen.

    und: Die gleiche Masche wurde schon immer in Deutschland durchgezogen und medientechnisch aufgezogen.

    bitter enttäuscht war ich , als ich jetzt erst wieder erfahren haben der deutsche Präsident Weizäcker, auch sein Vater hochaktiv in der Nazizeit. Schauen sie sich die biographien dieser Leute alle an. ich habe mich selber nicht damit beschäftigt doch die studien bringen es an den Tag, eben das bauchgefühl welches ich immer schon hatte ohne einzelne Personen zu recherchieren und meine Aussage dazu ohne zu recherchieren bei anderen: Meine Vorfahren waren in Deutschland nicht in den Naziparteien oder haben diese begünstigt. Daher wurde meine Familie systematisch benachteiligt und seit Jahrzehnten enteignet. ich muss das nicht nachlesen, ich weiß es einfach.

  • Was viel interssanter wäre: Warum werden die Menschen so ungleich bezahlt? Wer legt das fest und bestimmt das Gehalt der menschen. Die mär dass sich das jeder selber definiert stimmt nicht. Es gibt ein paar topverdiener die ihr Gehalt selber bestimmen zum beispiel unsere Abgeordneten in Deutschland die nur die Hand heben müssen.

    Doch genau diese gehen davon aus, im allgemeinen würde diese Selbstdefinition genauso stimmen oder dies durch Gewerkschaften verhandelt sein, doch dies ist nicht der Fall bzw die dafür "angestellten und bezahlten" Gewerkschaften haben über Jahrzehnte Das Lohndumping für unter anderem Leiharbeiter unterstützt.

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