Gelder
Entwicklungshilfe wirkt - wenn sie es soll

Ist Entwicklungshilfe nützlich oder schadet sie gar dem Nehmerland? Eine neue Studie der Universität Göttingen zeigt: Hilfsgelder für die Dritte Welt sind deutlich besser als ihr Ruf. Längst nicht alle Mittel versickern in den Taschen korrupter Politiker.
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FRANKFURT. Die afrikanische Ökonomin Dambisa Moyo hat mit ihrem Buch "Dead Aid" einen anklagenden Bestseller gelandet. Die Forscherin aus Sambia fordert die reichen Industrieländer auf, die Entwicklungshilfe einzustellen und kein Geld mehr nach Afrika zu schicken.

Moyo kann sich bei ihrer Diagnose, dass Entwicklungshilfe mehr schade als nütze, auf eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien berufen. Und doch könnte sie in ihrer Eintracht mit den vielen Wirtschaftswissenschaftlern falsch liegen. Die bisherige Forschung zu den Wirkungen von Entwicklungshilfe macht es sich in einem wichtigen Punkt offenbar zu einfach, zeigt eine jüngst veröffentlichte Analyse von Christopher Kilby vom Vassar College in New York und Axel Dreher von der Universität Göttingen. Demnach unterschlagen Wissenschaftler bei der Evaluierung von Entwicklungshilfe oft einen wichtigen Aspekt: dass es darauf ankommt, was mit der Hilfe erreicht werden soll.

Wenn etwa während des Kalten Krieges Milliarden als vorgebliche Entwicklungshilfe an korrupte Diktatoren flossen, damit diese zum Westen oder zum Osten hielten, dann war die Absicht der Geber nicht, zur Entwicklung des Empfängerlandes beizutragen. Entsprechend sah der Empfänger sich nicht genötigt, das Geld in diesem Sinne einzusetzen. Er wusste, dass weitere Milliarden von ganz anderen Dingen abhingen. Moyo hat sicher recht, dass eine solche Art der Entwicklungshilfe die Demokratie der Empfängerländer schwächt und so manchen Diktator stützt.

Ob sich die Geber aber von Moyos Kritik abschrecken lassen, ist mehr als zweifelhaft. Denn diese Art der Entwicklungshilfe versiegte nicht mit dem Ende des Kalten Krieges. Es gibt noch immer Loyalitäten, die gekauft werden wollen, und Interessen, die mit Scheckbuchdiplomatie austariert werden. Immer wenn die eine Seite reich und die andere arm ist, bietet es sich an, Zahlungen in solchen Zusammenhängen als Entwicklungshilfe zu deklarieren. Kilby und Dreher bezeichnen solche Arten des Geldgebens schlicht als Bestechung, womit sie allerdings keinen strafrechtlichen Tatbestand meinen.

Wie sehr die Mittelverwendung von den Motiven des Geldgebers abhängen kann, hat Kilby in einer weiteren Studie gezeigt, die jüngst im "Journal of Development Economics" erschienen ist. Er untersuchte, wie gut die Politik der Empfängerländer mit den von der Weltbank für die Entwicklungshilfe gesetzten Bedingungen übereinstimmte, und verglich das Muster mit dem Abstimmungsverhalten der Länder in den Gremien der Vereinten Nationen. Ergebnis: In Ländern, die im Sinne der USA abstimmen, setzt die Weltbank ihre Bedingungen für die Hilfe deutlich weniger aggressiv durch als in Ländern, die sich den USA gegenüber feindselig zeigen.

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