Gründer
Warum ein Jungunternehmer besser nicht zu reich sein sollte

Je mehr Startkapital ein Existenzgründer hat, desto besser - sollte man meinen. Doch in der Realität ist es etwas komplizierter. Warum reiche Gründer deutlich schlechtere Unternehmer und ihre Firmen weniger profitabel sind.
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LONDON. Als Unternehmer hat der Mann einfach kein glückliches Händchen. Die Marketingagentur, die Boris Becker am Ende seiner Tenniskarriere gründete, scheiterte. Die Idee, Bio-Lebensmittel im Internet zu verkaufen, endete in der Insolvenz - ebenso wie seine Versuche, Sportklamotten zu vertreiben und ein Online-Portal für Sportler zu etablieren. "Pleiten statt Pokale", spottete "Stern online".

Hinter all diesen Misserfolgen steckt möglicherweise System: Vielleicht ist Becker einfach zu reich, um ein guter Unternehmer zu sein. Das zumindest legt eine Studie der norwegischen Ökonomen Hans Hvide und Jarle Moen nahe.

Existenzgründer, die schon vorher viel Geld haben, sind oft weit weniger erfolgreich, stellen sie fest. "Die Performance von Start-ups kann darunter leiden, wenn der Gründer sehr vermögend ist", so das Fazit der Arbeit mit dem Titel "Lean and Hungry or Fat and Content? Entrepreneurs' Wealth and Start-Up Performance."

Grundlage der Arbeit sind extrem detaillierte Informationen über 1 500 Norweger, die sich zwischen 1994 und 2002 selbstständig gemacht haben. Weil es in Norwegen ein ganz anderes Verständnis von Datenschutz gibt und dort kein Steuergeheimnis existiert, kennen die Forscher Einkommen und Ersparnisse jedes einzelnen Existenzgründers - ebenso wie die Kapitalausstattung und die Vorsteuer-Gewinne seiner Firma. Diese außergewöhnlichen Daten machen es erstmals möglich, den Zusammenhang zwischen Vermögen und unternehmerischen Erfolg empirisch zu untersuchen.

Die Ergebnisse stellen wichtige Erkenntnisse der Entrepreneurship-Forschung auf den Kopf. Bisher herrschte in der Disziplin Konsens, dass zu wenig Startkapital für Existenzgründer ein Problem ist - nicht aber zu viel. Schließlich haben Jungunternehmen oft Probleme, Banken von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen und genügend Kredit zu bekommen. Viele neue Unternehmen leiden unter chronischem Kapitalmangel und können nur langsam wachsen. Dieses Problem haben wohlhabende Gründer nicht - sie können das Wachstum ihrer Firma aus eigener Tasche finanzieren. Das sollte sie eigentlich erfolgreicher machen.

Bis zu einer bestimmen Schwelle ist das auch in der Realität der Fall, stellen Hvide und Moen fest. Bis zu einem Vermögen von rund einer Millionen Kronen (122 000 Euro) steigt die Profitabilität eines Start-ups mit steigendem Reichtum des Gründers.

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Kommentare zu " Gründer: Warum ein Jungunternehmer besser nicht zu reich sein sollte"

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  • Den bisherigen Kommentaren kann ich nur zustimmen; Erfolg oder Nichterfolg hat in erster Linie mit den Fähigkeiten und dem unternehmerischen Verständnis des Unternehmers selbst zu tun. Und nur weil jemand erfolgreich im Sport ist, muss selbiger nicht ein Unternehmertyp sein. Und wenn man keine Ahnung vom Geschäft hat, wird man totberaten.....meinte natürlich....erfolgreich insolvent...;-). Das Geld ist ja nicht weg, nur woanders.

  • Diese Studie ist m.E. ziemlich daneben. Erfolgt hängt nicht allein vom Startkapital ab (zwar ist eine gewisse Höhe je nach Geschäft schon wichtig). Entscheidender sind kaufmännisches Können und Wissen, Arbeitswille, Stehvermögen und eine gute idee.

    Geschäftserfolg bemißt sich auch nicht allein nach dem Profit. Gewinn ist die Restgröße.

    Ausgerechnet Herrn becker als beispiel für Mißerfolg wegen Reichtum zu benennen - sorry, das ist Quark. Er war einfach unfähig.

  • Reichtum oder nicht, ist kaum die Frage. Unternehmerisches Talent und intellektuelle Grundfähigkeiten - auch völlig ohne akademische bildung - eigenständig entfalten zu können ( vulgo: selber anpacken können und wissen, was geht ) jedoch sehr. Den meisten Sportgrößen fehlt es da - bobbele ist kein Einzelfall.

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