Hohe Schulqualität
Kombiniert die Schulsysteme von Bayern und Berlin!

Konservative Regierungen betonen den Wert der Leistung. Linksgerichtete Regierungen achten auf soziale Chancengleichheit. Meistens steht beides in Konflikt – man muss sich entscheiden, wie viel man möchte. Im Schulsystem muss man es nicht, hat der Bildungsökonom Ludger Wößmann festgestellt.
  • 0

FRANKFURT. Für Deutschland besonders relevant ist die Feststellung, weil der Professor der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität sie durch Analyse der Schulsysteme und Pisa-Ergebnisse aus den deutschen Bundesländern bestätigt hat. Was viele internationale Studien übereinstimmend festgestellt haben, gilt auch für Deutschland: Wenn die Bildungspolitik die durchschnittlichen Lernergebnisse der Schüler auf ein höheres Niveau heben will, kann sie dies tun, ohne die soziale Chancenungleichheit zu vergrößern. Und wer gleiche Chancen für alle herstellen will, kann dies schaffen, ohne Leistungseinbußen in Kauf nehmen zu müssen.

Wößmann kombinierte in seiner Studie die Ergebnisse der 16 Bundesländer im Pisa-Test von 2003 mit Informationen über die Eigenheiten der Schulsysteme und die sozio-ökonomische Struktur der Bundesländer. Zudem berücksichtigte der Forscher, wie viel Einfluss der soziale Status der Eltern in den einzelnen Bundesländern auf die Mathematik-Leistungen der Kinder hat.

Diese Informationen stammen aus dem Pisa-Abschlussbericht von 2005: Aus Vermögen, Bildung und Beschäftigungssituation der Eltern wurde ein Status-Index gebildet. Dieser zeigt an, wie viel besser die Noten der Schüler mit höherem Status im Vergleich zu Schülern mit geringem Status sind. Je steiler dieser Zusammenhang, desto weniger Chancengleichheit herrscht in dem Bundesland.

Bayerns 15-jährige Schüler waren in Mathe unter den Bundesländern am besten, gleichzeitig hing ihr Lernerfolg fast ebenso wenig von der sozialen Herkunft ab wie im Fairness-Spitzenreiter Brandenburg, dessen Schüler bei der Leistung nur auf Rang 14 lagen. Andererseits waren die Schüler in Mecklenburg-Vorpommern auch nicht besser als in Brandenburg – im Nordosten aber erreichte die Abhängigkeit des Lernerfolgs von der sozialen Herkunft einen Spitzenwert.

Nun könnte der einfache Blick auf die rohen Zahlen täuschen, hängen doch die Schulleistungen von Kindern nicht nur von der Qualität der Schulen, sondern auch von der Ausgangslage der Schüler ab. Wo viele bildungsbewusste Akademiker wohnen – zum Beispiel am Starnberger See –, kann man von vornherein mit besseren Testergebnissen rechnen als in Ruhrgebiets-Schulen, selbst wenn diese im Prinzip ebenso gut sind.

Wößmann hat deshalb den typischen Einfluss der sozio-ökonomischen Struktur aus den Ergebnissen herausgerechnet und auch Sonderfaktoren wie Stadtstaaten berücksichtigt. Es blieb dabei: Für mehr Lernerfolg muss die Bildungspolitik nicht mehr Chancenungleichheit in Kauf nehmen – und mehr Fairness muss sie nicht mit weniger Leistung erkaufen.

Seite 1:

Kombiniert die Schulsysteme von Bayern und Berlin!

Seite 2:

Kommentare zu " Hohe Schulqualität: Kombiniert die Schulsysteme von Bayern und Berlin!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%