Konjunktur
Endet die Rezession viel schneller als gedacht?

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten: Drei Ökonomen der US-Eliteuniversität Stanford stellen die These auf, dass es mit der Konjunktur deutlich schneller wieder aufwärts gehen könnte als es derzeit aussieht. Ihren Konjunktur-Optimismus stützen sie auf historische Analysen und ein theoretisches Modell. Lesen Sie, wie die Forscher ihre Hoffnung begründen.
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"Wir stehen vor einer Nebelwand!" Allerorten treten derzeit Manager mit dieser Botschaft vor Investoren und Mitarbeiter. Etliche Firmen, von der Deutschen Bank bis Ebay, geben vorsichtshalber überhaupt keine Prognosen mehr ab.

Die wirtschaftliche Unsicherheit ist derzeit so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr, zeigt eine neue Studie eines Forschertrios der US-Universität Stanford. Ähnlich unklar war die Zukunft zuletzt in der zweiten Ölkrise Ende der siebziger Jahre, stellen Nick Bloom, Max Flötotto und Nir Jaimovich fest in ihrer Studie mit dem Titel "Really Uncertain Business Cycles" fest.

Für die aktuelle Krise lassen sich daraus Argumente für vorsichtigen Optimismus ableiten. Denn die Analyse legt nahe: Die Folgen der Bankenkrise für die Realwirtschaft könnten kleiner sein, als es derzeit aussieht. Vielleicht kommt die Erholung eher, als die trüben Wirtschaftsdaten ahnen lassen.

Es ist nicht nur die Kreditklemme, die den Konjunkturabsturz verursacht, so die Quintessenz der Studie. Als zweiter, indirekter Faktor, der den Abschwung ausgelöst hat, kommt die Unsicherheit hinzu. Diese ist eine eigene ökonomische Kraft, die unabhängig von den Problemen der Banken die Konjunktur belastet. Denn wegen der hohen Ungewissheit sind viele Unternehmen in eine Schockstarre gefallen. Allein aus der Angst vor der Zukunft halten sie sich bei Investitionen und Beschäftigung zurück - selbst wenn sie gar nicht direkt von der Kreditklemme betroffen sind.

Hoffnung kann man aus diesem Befund ziehen, weil sowohl historische Analysen als auch Modellrechnungen der Forscher zeigen: Hohe Unsicherheit bremst die Konjunktur nur kurz. Schon nach wenigen Monaten lichtet sich der Nebel wieder. Und dann kommen viele Firmen gar nicht darum herum, wieder zu investieren und neues Personal einzustellen - weil in der Zeit, in der sie die Luft angehalten haben, Nachholbedarf entstanden ist.

Um das Ausmaß der Unsicherheit in der US-Wirtschaft zu messen, haben Bloom, Flötotto und Jaimovich einen eigenen Index entwickelt. Sie berücksichtigen unter anderem, wie stark an den Börsen die Aktienkurse nach oben und unten ausschlagen, wie sehr die Prognosen für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung auseinanderlaufen und wie stark Umsatz- und Gewinnentwicklung von Unternehmen auseinanderklaffen.

Vor und in Abschwüngen, so stellen die Wissenschaftler fest, ist die Unsicherheit stets besonders hoch. Eine Rezession geht im Schnitt mit mehr als 40 Prozent höheren Index-Werten einher. Und je höher die Unsicherheit, desto extremer fällt der Abschwung aus: Selbst wenn man wichtige realwirtschaftliche Größen wie etwa Leitzinsen, Inflation und Arbeitslosigkeit berücksichtigt, bleibt ein Zusammenhang zwischen Unsicherheit und Rezession bestehen. Die ungewissen Aussichten sind also nicht nur Begleiterscheinung einer Abschwungs, sondern auch eine seiner Ursachen.

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