Managementqualität
Chinesen und Inder sind schlechte Manager – noch

Chinesische und indische Unternehmen sind im Durchschnitt deutlich schlechter geführt als Firmen aus Europa, zeigt eine neue Studie der London School of Economics. Aber die neuen Wettbewerber lernen schnell dazu. Wenn die Europäer nicht aufpassen, werden sie bald eingeholt.

Das phänomenale Wachstum der chinesischen Industrie in den vergangenen Jahren verdankt das Land vor allem dem riesigen Angebot an billigen Arbeitskräften. Und auch Unternehmen aus Indien machen Firmen aus großen Industrieländern zunehmend Konkurrenz. Aber auch Chinas Arbeitskräfteangebot ist nicht unbegrenzt. Richtig qualifizierte Arbeitskräfte zur richtigen Zeit am richtigen Ort werden auch dort zunehmend knapp.

China und Indien haben jedoch viel Potenzial, um steigende Löhne auszugleichen und konkurrenzfähig zu bleiben, zeigt » eine Studie des Londoner Centre for Economic Performance in Kooperation mit McKinsey und der Stanford University.

Große Reserven stecken in der Qualität der Unternehmensführung. Heute kommen nur wenige chinesische und indische Firmen an die Managementqualität der westlichen Unternehmen heran. Die große Mehrheit weist erhebliche Schwächen auf. Dies fanden die Wirtschaftsforscher durch Befragung Tausender Manager in den USA, Japan, China, Indien, Großbritannien, Deutschland und sechs weiteren europäischen Ländern heraus.

Die Qualität des Managements beurteilten sie anhand etablierter Standards guter Unternehmensführung. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie effizient die Lagerhaltung organisiert ist, ob die Fabrikleitung zeitnah auf Probleme aufmerksam wird und diese nachhaltig löst oder wie gut die Performance der Fabrik und der Untereinheiten gemessen und optimiert wird.

Beunruhigend sind die Ergebnisse für Griechenland und Portugal: Dort ist die Managementqualität schon heute nur noch minimal besser als in einem chinesischen Durchschnittsunternehmen. Die Unternehmen in den anderen westlichen Ländern sollten sich aber nicht zu sehr zurücklehnen. Schon heute ist hier etwa jedes fünfte Unternehmen schlechter gemanagt als ein durchschnittliches chinesisches Unternehmen. Im Vergleich zu Indien sieht es nicht viel anders aus.

Joint Ventures von chinesischen Unternehmen mit ausländischen Partnern schneiden bei der Managementqualität besonders schlecht ab. Daneben sind es vor allem Unternehmen in Staatsbesitz, die den Durchschnitt in China nach unten ziehen.

Etwas besser als Indien schneidet China vor allem deshalb ab, weil es kaum Unternehmen gibt, die über Generationen von Mitgliedern der Eigentümerfamilie geführt werden. Solche weisen überall die mit Abstand schlechteste Managementqualität auf - vor allem dann, wenn die Unternehmensführung standardmäßig auf den ältesten Sohn übergeht.

In Indien gibt es der Studie zufolge besonders viele solcher Familienunternehmen. Dem größeren Gewicht der sehr schlecht gemanagten Unternehmen steht allerdings in Indien ein recht hoher Anteil von Unternehmen gegenüber, die in der internationalen Spitzengruppe mitspielen.

Wenn die chinesischen Staatsunternehmen im bisherigen Tempo in Privatbesitz überführt werden und das Rechtssystem in Indien so reformiert wird, das Familienunternehmen leichter professionelles Management in Anspruch nehmen können, haben beide Länder der Studie zufolge gute Chancen, bei der Qualität der Unternehmensführung ins untere Mittelfeld der Industrieländer vorzustoßen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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