Manager-Preise
Todeskuss für jeden CEO

Auf Auszeichnungen wie "Manager des Jahres" liegt ein Fluch, das zeigt eine neue Studie von US-Forschern. Dass es mit den Unternehmen oft berab geht, wenn der Vorstandschef einen Management-Preis bekommt, ist kein Zufall, sondern hat System. Die Wissenschaftler liefern eine erstaunliche Erklärung für diesen Fluch.

Seit 1995 kürt das "Manager Magazin" jedes Jahr den "Manager des Jahres". Die Bilanz der Preisträger ist, vorsichtig formuliert, durchwachsen. Jürgen Dormann, der 1995 als erster die Auszeichnung erhielt, baute Hoechst so sehr um, dass der Konzern heute nicht mehr als eigenständiges Unternehmen existiert.

Der 1998 gefeierte Jürgen Schrempp hat die Fusion von Daimler und Chrysler zu verantworten, die Milliarden Euro an Unternehmenswert vernichtete. Der 2000 geehrte Michael Frenzel führte Tui in die Dauerkrise. Klaus Zumwinkel, der den Preis 2003 bekam, geriet wegen seiner privaten Steueraffäre und dem Telekom-Spitzelskandal ins Zwielicht; die von ihm betriebene US-Expansion der Post ist bislang ein teurer Flop.

Der Absturz gefeierter Manager ist kein Zufall, sondern hat System - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Ulrike Malmendier (Berkeley) und Geoffrey Tate (UCLA). Sie liefern den wissenschaftlichen Beleg dafür, was manche Wirtschaftsinteressierte intuitiv schon länger vermutet haben: Chief Executive Officer (CEOs), die renommierte Management-Preise erhalten, leisten danach spürbar schlechtere Arbeit als vergleichbare Berufskollegen, die leer ausgegangen sind. Und die Gehälter der Ausgezeichneten schießen steil nach oben.

Wie lässt sich der Absturz der Management-Stars erklären? Wählen "Business Week", "Forbes" und Co. systematisch die falschen Manager? Malmendier und Tate meinen: Nein. Eine Reihe von Indizien deute darauf hin, dass unerwünschten Nebenwirkungen einer Auszeichnung der Grund für den Absturz sind. Wenn ein CEO einen prestigeträchtigen Preis bekommt, dann steigt sein Status und Renommee offenbar so sehr, dass er in seinem Unternehmen quasi unangreifbar und allmächtig wird. Das gebe ihm die Möglichkeit, vermuten die Autoren, sich mehr um seine eigenen Interessen und weniger um die seines Unternehmens zu kümmern.

Für ihre Studie haben Malmendier und Tate recherchiert, welche CEOs zwischen 1975 und 2002 mit renommierten Management-Preisen ausgezeichnet wurden - zum Beispiel der vom Magazin "Business Week" vergebenen Auszeichnungen "Best Manager" oder dem Titel "Best Performing CEO" des Wirtschaftsblattes "Forbes".

Für die 264 Preisträger, aber auch mehr als 60 000 weitere amerikanische CEOs trugen die Forscher aus zahlreichen Quellen detaillierte Informationen zusammen - von Alter, Ausbildung und Jahresgehalt der Manager bis hin zu Angaben über Umsatz-, Ertrags- und Aktienkursentwicklung ihrer Firmen.

Um die individuelle Leistung eines preisgekrönten Managers fair beurteilen zu können, mussten die Forscher erheblichen Aufwand treiben. Eigentlich interessierte sie die Frage: Wie hätte sich das Unternehmen entwickelt, wenn der Chef keine Auszeichnung erhalten hätte? Das aber weiß niemand.

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