Ökonomen zur Bankenkrise
„Zusammen schwimmen oder untergehen“

Es ist ein Manifest des Grauens: 18 internationale Top-Ökonomen äußern sich in einen jetzt veröffentlichten Essay-Band zur Finanzkrise. An der bisherigen EU-Politik lassen sie kein gutes Haar. Nationale Alleingänge könnten sogar die Stabilität der europäischen Währungsunion gefährden. Die EU sollte dringend einen koordinierten Notfallplan ausarbeiten.

Jeder ist sich selbst der Nächste – mit dieser Devise haben Industriestaaten in den 30er-Jahren versucht, der Weltwirtschaftskrise Herr zu werden. Importzölle und Einfuhrquoten sollten heimische Firmen schützen, die Abwertung der eigenen Währung Exporte ankurbeln. Ökonomen sprechen von der „Beggar thy neighbour“- Politik – dem Versuch, den Nachbarn auszuplündern und sich auf dessen Kosten aus der Krise zu befreien. Er endete in einer Abwärtsspirale.

Zumindest bis zum vergangenen Wochenende weckte das Verhalten der EU-Staaten in der aktuellen Krise Erinnerungen an die „Beggar thy neighbour“- Zeiten: „In der letzten Zeit sind viele Maßnahmen beschlossen worden, bei denen man nur seine eigenen Interessen im Sinn hatte“, schreibt IWF–Ökonom Stijn Claessens in einem Ende vergangener Woche vom Centre for Economic Policy Research (CEPR) veröffentlichten Ökonomen-Manifest. „Vor allem in Europa wurde viel zu wenig getan, um negative Konsequenzen für andere Länder zu verhindern“, so Claessens. Ein Paradebeispiel war die Einlagengarantie der irischen Regierung, die Banken in anderen EU-Ländern weiter destabilisierte.

In dem CEPR-Sammelband präsentieren 18 hochkarätige Wirtschaftswissenschaftler aus den USA und Europa Auswege aus dem Finanzmarkt-Chaos. „Die Krise ist global. Wir werden zusammen schwimmen oder untergehen“, schreibt Barry Eichengreen, Professor an der US-Uni Berkeley und Mitherausgeber des Essaybands.

Höchste Priorität sollte ein konkretes und koordiniertes Programm der G7-Staaten zur sofortigen Rekapitalisierung des Bankensystems haben. Bloße Absichtserklärungen der Staatschefs, gemeinsam zu handeln, würden die Märkte weiter demoralisieren. Gemessen an Eichengreens Forderungen gehen die Washingtoner Beschlüsse vom Wochenende nicht weit genug.

Besonders viel Prügel von den Ökonomen muss die EU einstecken. „Die europäischen Regierungen kämpfen unsystematisch, ordnungswidrig und auf nationaler Ebene gegen ein Problem, dessen Ausmaß weit über ihre nationalen Grenzen hinausgeht“, beklagen Luigi Guiso vom European University Institute und Marco Pagano von der Universität Federico II in Neapel. Der Berliner Makro-Ökonom Michael Burda argumentiert ähnlich: „Die Alleingänge von Irland, Deutschland und Dänemark könnten zum Kollaps der Europäischen Währungsunion führen.“

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