P-A-Theorie
Der Fall Robert Hoyzer,ökonomisch analysiert

In der nüchternen Denke der Ökonomen ist der Schiedsrichter-Skandal um Robert Hoyzer und Co kein sonderlich bemerkenswertes Ereignis – sondern nur ein neuer Beleg für die so genannte Principal-Agent-Theorie.

Unter diesem etwas sperrigen Begriff diskutieren Volkswirte seit Jahren Probleme, die sich – vereinfacht gesagt – daraus ergeben, dass man im Leben nicht alles selbst machen kann. Viele Dinge lassen sich nur erledigen, indem man sie an eine andere Person delegiert. Das Problem: Wegen ungleich verteilter Informationen kann der Auftraggeber (Principal) oft schwer oder gar nicht überprüfen, ob der Auftragnehmer (Agent) auch gewissenhaft arbeitet. Ein eigennützig handelnder Agent hat daher den Anreiz, im Verborgenen seine egoistischen Eigeninteressen zu verfolgen – und nicht die seines Auftraggebers.

Konkret auf den Hoyzer-Fall übertragen: Der Deutsche Fußball Bund (Principal) hatte dem Schiedsrichter Hoyzer (Agent) den Auftrag erteilt, für die „Durchführung eines den Fußballregeln entsprechenden Spielbetriebs“ zu sorgen. Tatsächlich aber ging Hoyzer seinen Eigeninteressen nach: Er manipulierte Partien, um Sportwetten zu gewinnen. Der Fußball-Weltverband Fifa will Konsequenzen aus diesen Vorfällen ziehen und hat angekündigt, die Schiedsrichter besser zu bezahlen und die Professionalisierung der Unparteiischen voranzutreiben.

Aber pfeifen die Referees tatsächlich besser, wenn sie mehr Geld verdienen? Nein, meint DFB-Schiedsrichter-Abteilungsleiter Hellmut Krug: „Der Profi sieht nicht besser als der Halbprofi.“

Die beiden Ökonomen Neil Rickman und Robert Witt von der britischen University of Surrey dagegen kommen in einer in dieser Woche veröffentlichten Studie zum gegenteiligen Ergebnis: In einer aufwendigen empirischen Studie zeigen sie, dass die Qualität der Schiedsrichter-Entscheidungen in der englischen Premier League seit der Einführung von Profi-Referees in der Saison 2001/02 messbar zugenommen hat.

Ausgangspunkt der Untersuchung von Rickman und Witt ist die Beobachtung, dass Schiedsrichter tendenziell dazu neigen, bei Fußballspielen die Heim-Mannschaft gegenüber der Gast-Elf zu bevorzugen – wegen des sozialen Drucks, den die Fans der Heim-Mannschaft ausüben. Rickman und Witt haben Statistiken von 760 Premier-League-Spielen ausgewertet – unter anderem Daten darüber, wann die Tore fielen und wie lange die Nachspielzeit dauerte.

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