Privatisierung der Deutschen Bahn
Private Bahn - bessere Bahn

Mehr Wettbewerb und weniger Staatseinfluss führen tendenziell zu besserem Schienenverkehr - das ist das Ergebnis von zwei ökonomischen Studien. Wenn Strecken wettbewerblich ausgeschrieben werden, steigt nachher die Zugdichte deutlich stärker, stellt die Universität Zürich fest. Schon die Geschichte zeigt: Länder, in denen Eisenbahnen in privater Hand waren, hatten bessere Schienen-Infrastruktur.
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Es sind die Juristen und nicht die Ökonomen, die in der politischen Debatte über die Privatisierung der Deutschen Bahn den Ton angeben. Die Diskussion kreist derzeit um komplizierte Fragen des Verfassungs- und Bilanzrechts.

Dabei haben auch Ökonomen zur Frage, ob Eisenbahnen privat oder staatlich betrieben werden sollten, einiges zu sagen. Zwei neue Studien, die das Thema aus unterschiedlichem Blickwinkel betrachten nähern, kommen beide zu dem Ergebnis: Mehr Wettbewerb und weniger Staatseinfluss führen tendenziell zu besserem Schienenverkehr.

Dan Bogart von der University of California in Irvine hat sich der Frage "Markt oder Staat?" bei Eisenbahnen aus wirtschaftshistorischer Perspektive genähert. Für die Jahre 1840 bis 1912 und mehr als 30 Staaten und Kolonial-Gebiete hat er untersucht: Gab es zwischen der Eigentümer-Struktur und der Qualität des Schienennetzes einen Zusammenhang?

Bogart macht zunächst deutlich: Die Diskussion darüber, ob besser der Staat oder die Privatwirtschaft Eisenbahnen betreiben soll, ist so alt wie das Transportmittel selbst. "Im 19. Jahrhundert debattierte die Politik die Frage, ob Eisenbahnen besser in Privat- oder in Staatsbesitz sein sollen, genauso wie heute."

Für seine Studie nutzt Bogart die Tatsache aus, dass im 19. Jahrhundert die Eigentumsverhältnisse der Eisenbahn-Unternehmen von Land zu Land höchst unterschiedlich waren. Einige Staaten wie Großbritannien überließen die Schiene bis zum ersten Weltkrieg vollkommen der Privatwirtschaft. Andere wie Ägypten, Australien und Finnland hatten reine Staatsbahnen. Eine dritte Gruppe setzte auf Mischsysteme. So betrieben in Deutschland Privat-Unternehmen 1870 rund 56 Prozent des Schienennetzes.

Bogart kommt zu den Ergebnis: Neben dem Wirtschaftswachstum und den Kapitalmarktzinsen hatte die Eigentümer-Struktur erheblichen Einfluss darauf, wie schnell und flächendeckend in einem Land das Schienennetz ausgebaut wurde. Private Eisenbahn-Gesellschaften investierten deutlich mehr in die Infrastruktur als staatliche. Die Folge: Je größer die Rolle von Privat-Bahnen in einem Land war, desto schneller wurde dort das Schienennetz ausgebaut. "Hätte ein Land, in dem es nur staatliche Eisenbahnen gab, diese vollständig privatisiert, wäre dort die Anzahl der Schienenkilometer pro Einwohner mindestens um 20 bis 25 Prozent gestiegen", schätzt Bogart.

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