Psychologie
Warum Chefs tyrannisch werden

In vielen Unternehmen leiden Angestellte unter Vorgesetzten, die ihnen das Arbeitsleben zur Hölle machen. Psychologen liefern in einer neuen Studie jetzt eine erstaunliche Erklärung dafür, warum Chefs zum Ekel werden.
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LONDON. Sie sind für ihre unkalkulierbaren Wutanfälle berüchtigt, für unklare und widersprüchliche Arbeitsaufträge und dafür, nie mit den Ergebnissen zufrieden zu sein. Sie demütigen ihre Untergebenen, dulden keine andere Meinung und erinnern sich nicht an ihre eigenen Vorgaben. Dafür genießen sie es, Mitarbeiter öffentlich zur Schnecke zu machen – tyrannische Vorgesetzte. ie sind in vielen Unternehmen eher die Regel als die Ausnahme. 88 Prozent der Arbeitnehmer klagten in einer Umfrage des Münchener Geva-Instituts über Probleme mit ihrem Chef. Rund 20 Prozent gestanden sogar ein, ihren Vorgesetzten zu hassen.

"Büro ist Krieg", lautet die Devise von Bernd Stromberg, der als Ekel-Chef in der gleichnamigen Pro-Sieben-Serie zur Kultfigur aufgestiegen ist. "Als Chef kannst du gar nicht immer beliebt sein", ist Stromberg überzeugt, "zumindest nicht zu Lebzeiten."

Der Chef als Ekel - ist das ein Naturgesetz? Eine Reihe von Managementforschern und Psychologen beschäftigt sich wissenschaftlich mit dieser Frage. Und sie haben mehrere Erklärungen für das Phänomen parat.

Oft würden Firmen bei der Auswahl ihrer Führungskräfte zu wenig Wert auf die Sozialkompetenz der Bewerber legen und daher systematisch auf Narzissten hereinfallen. "Vielen Unternehmen fehlt es an Anti-Arschloch-Regeln", ist Robert Sutton überzeugt, Management-Professor an der US-Eliteuni Stanford und Autor des Bestsellers "Der Arschloch-Faktor". Hinzu komme, dass die Macht, die mit Chefpositionen einhergehe, oft korrumpiere; an sich nette Charaktere würden mit der Zeit unausstehlich.

Ein dritter Grund, der Chefs unausstehlich macht, ist schlicht Überforderung und Unsicherheit. Viele Führungskräfte werden unangenehm, weil sie selbst wissen, dass sie ihrer Aufgabe nicht gerecht werden. Was viele gebeutelte Beschäftigte bislang nur vermuten konnten, dafür liefert eine jetzt veröffentlichte Studie eines kalifornischen Forscherteams erstmals handfeste wissenschaftliche Belege: "Vorgesetzte, die selbst das Gefühl haben, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein, gehen mit höherer Wahrscheinlichkeit auf ihre Untergebenen los", fassen Nathanael Fast von der University of Southern California und Serena Chen von der University of California, Berkeley, ihre Ergebnisse zusammen.

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