Qualität von Krankenhäusern
Wenn Wettbewerb tötet

Wovon hängt es ab, ob Sie einen Herzinfarkt überleben? Eine neue Studie von Ökonomen liefern spektakuläre Antworten: Über Leben und Tod entscheidet unter anderem, wie hoch die Konkurrenz zwischen Krankenhäusern ist. Lesen Sie, warum in Großbritannien zu viel Wettbewerb 1000 Menschen das Leben kostete.
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Ein dreiköpfiges Forscherteam um die Bristoler Ökonomie-Professorin Carol Propper stellte am Beispiel Großbritanniens fest: Der schärfere Wettbewerb zwischen Krankenhäusern, der durch eine Gesundheitsreform im Jahr 1991 entstand, kostete 1000 Herzinfarkt-Patienten das Leben.

Um das verkrustete Gesundheitssystem auf Trab zu bringen, hatten die Tories den staatlichen Krankenhäusern Anfang der neunziger Jahre Wettbewerb verordnet. Vor der Reform waren die Zustände im "National Health System" unerträglich: Wer kein Notfall-Patient war, musste oft ein halbes Jahr oder länger auf einen Operationstermin warten. Ab 1991 schrieben die Regierung die regionalen Krankenhaus-Dienstleistungen daher öffentlich aus. Die staatlichen Hospitäler mussten sich jährlich um neue Verträge bewerben. Die Marktkräfte, so das Kalkül, würden das Gesundheitswesen effizienter machen.

In ihrer Studie, die im Januar im renommierten "Economic Journal" erschien, analysieren Propper und Co. die Folgen der Reform. Die Forscher nutzen dabei zufällige regionale Unterschiede in der Wettbewerbsintensität aus. Denn Hospitäler arbeiten auf regionalen Märkten. Je weniger Krankenhäuser pro Einwohner es an einem Ort gibt, desto geringer ist die Konkurrenz.

Vordergründig, so stellen Propper und Co. fest, wirkte die Reform wie gewünscht: In Regionen, in denen die Wettbewerbsintensität zwischen Hospitälern besonders hoch war, wurden die Wartelisten tatsächlich kürzer. Zugleich aber gab es unerwünschte Nebenwirkungen: Je intensiver der Wettbewerbsdruck auf ein Hospital war, desto stärker sank die Überlebenswahrscheinlichkeit seiner Herzinfarkt-Patienten. "In Regionen, in denen harter Wettbewerb herrschte, waren die Mortalitätsraten größer als dort, wo weniger Wettbewerb herrschte", so der Befund. Das Ausmaß dieses Effekts sei nicht zu vernachlässigen. Die negativen Folgen der Reform hätten das an Überlebenswahrscheinlichkeit zunichte gemacht, was durch bessere Behandlungsmethoden in den Neunzigern gewonnen wurde.

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