Quantitätstheorie
Gelddrucken führt nicht immer zu Inflation

Je mehr Geld im Umlauf ist, desto höher ist die Inflation - oder? Zwei Forscher haben die Quantitätstheorie einem Realitätstest unterzogen und stellen fest: Ganz so einfach ist es nicht. Harald Uhlig und Pedro Teles zeigen in ihrem Papier, dass es dabei auf die aktuelle Inflationsrate in einem Land ankommt.
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LONDON. Geld zu drucken - das ist eine der ganz wenigen Waffen, die den Zentralbanken im Kampf gegen die Krise noch geblieben ist. Die Führungsspitzen von Federal Reserve Bank und Bank of England nehmen diesen Begriff zwar nicht in den Mund. Sie sprechen lieber von "quantitativer Lockerung". Aber de facto haben sie jede Menge neues Geld in die Wirtschaft gepumpt, indem sie Staatsanleihen und andere Wertpapiere gekauft haben. In den USA und Großbritannien ist die Wirtschaftslage so schlecht, dass eine neue Runde dieser Politik wahrscheinlich ist.

"Zu viel Geld jagt zu wenige Güter"

Das wird Folgen haben, verheerende Folgen - wenn eine der ältesten ökonomischen Theorien stimmt. Und die besagt: Wann immer zu viel Geld im Umlauf ist, kommt es zu Inflation. Das ist die Kernbotschaft der sogenannten Quantitätstheorie, die sich bis auf Kopernikus zurückführen lässt. "Zu viel Geld jagt zu wenig Güter" - auf diese griffige Formel brachte Milton Friedman den Grundgedanken. Wer die Inflation in Schach halten wolle, müsse daher die Geldmenge unter Kontrolle bringen, war Friedman überzeugt.

In der modernen Volkswirtschaftslehre jedoch ist dieser Ansatz aus der Mode geraten. Die Geldmenge spiele für Inflation keine große Rolle, sind viele Makroökonomen heute überzeugt. Welche Seite hat recht? Dieser Frage ist der deutsche Makroökonom Harald Uhlig, der seit 2007 an der University of Chicago lehrt, nachgegangen. Gemeinsam mit Pedro Teles von der portugiesischen Notenbank hat Uhlig den Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation ausgeleuchtet - anhand von Daten für die Industrieländer und die Jahre 1970 bis 2005.

Alles hängt davon ab, wie hoch die Inflationsrate in einem Land ist, lautet das zentrale Ergebnis. In Ländern mit niedriger Inflation lässt sich so gut wie kein Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Geldmenge und der Preisentwicklung erkennen: "Die Verbindung ist dann bestenfalls vage oder sogar überhaupt nicht existent." Vor allem in den Jahren nach 1990 sei die Geldmenge in manchen Ländern stark gewachsen, die Inflation aber trotzdem stabil geblieben.

Das bedeute aber nicht, dass Volkswirte die Quantitätstheorie komplett beerdigen können, betonen die Forscher. Sobald die Geldentwertung über einer kritischen Schwelle liege, greife die Quantitätstheorie sehr wohl. Ab einer Inflation von rund zwölf Prozent gibt es plötzlich einen klaren Zusammenhang zwischen wachsender Geldmenge und höherer Inflation. "Die Quantitätstheorie ist nach wie vor lebendig", schließen die Forscher daraus.

Für das Tagesgeschäft von Notenbanken in modernen Volkswirtschaften mit stabilen Preisen sei die Quantitätstheorie jedoch wenig hilfreich, räumen sie ein. Anders sehe es für Länder aus, die unter hoher Geldentwertung litten. Für diese sei eine strikte Kontrolle der Geldmenge wahrscheinlich sinnvoll, um den Übergang zu einer Situation mit stabilen Preisen hinzukriegen. Auf das Thema "quantitative Lockerung" gehen die Forscher in ihrem Papier nicht direkt ein. Aber ihre Ergebnisse legen nahe, dass die Risiken dieser Politik ziemlich gering sein dürften. Denn in allen Industrieländern ist die Inflation gering - und meilenweit von der Gefahrenzone entfernt.

"Is Quantity Theory Still Alive?" von P. Teles und H. Uhlig, CEPR Discussion Paper Nr. 8049 (Okt. 2010)

Kommentare zu " Quantitätstheorie: Gelddrucken führt nicht immer zu Inflation"

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  • Tütensuppe: heute habe ich nochmal nachgeschaut bei einer Knorr Tütensuppe, mit Sternchen.

    Sternchen ist: Maltodextrin ist aus Kartoffel und Maisstärke hergestellt bzw. wird daraus gewonnen.

    Nun gut was hier wieder fehlt ist der Hinweis: Gentechnisch verändert?

    Da "unsere" ilse Eigner eine gentechnisch veränderte Kartoffelart zugelassen hat, wie sieht es mit der Deklarationspflicht aus?

    Warum muss ich hier "kostenfrei" als Mutter mit Einkommen von "0" Euro die Arbeit von ilse Eigner leisten?

    Diese hat nur über Kalbschleberwurst hübsch geschminkt und medienwirksam aufbereitet, incl neuestem Charismatraining und Farbberatung ihren Satz hervorgebracht: Kalbschleberwurst.

    Was ist mit ihrer fachlichen Arbeit den gentechnisch veränderten Produkten und ihre Deklaration?
    Warum müssen die bürger dafür bezahlen und sich wiederum kostenfrei dafür kümmern, dass sich die hochbezahlten Politikerinnen nicht darum kümmern, jedoch gentechnisch veränderte Produkte zulassen?

    Gleichzeitig kämpft jedoch eine bayerin auf dem Equal Pay Day dafür, dass Erzieherinnen anstatt 1400 Euro monatlich 1500 Euro monatlich netto verdienen und maunzt mich auf dem Equal Pay day an, ich würde schließlich auch gefördert in meinem bereich in Deutschland ???????????

    ich habe das Thema Leiharbeit beim Equal Pay day permanent und öffentlich auf den Tisch gebracht innerhalb dieser Frauenveranstaltung mit Ursula leyen als Schirmherrin.

    Mariana Mayer, mein Einkommen beträgt 0 Euro aufgrund vn zahlreichen Mobbingattacken bin ich seit 6 Jahren arbeitslos und werde gezwungen meine Krankenversicherung vom Kindesunterhalt zu bezahlen. Auf dem Equal Pay day wird jedoch Demokratie dadurch betrieben, dass eine bayerin die Namen haben Sie extra nicht gesagt am Stammtisch obwohl ich meinen gesagt hatte, sich dafür einsetzten als "angebliche" bevölkerung, das die Erzieherinnen mehr Gehalt beziehen.

    Und es wurde gesagt am Stammtisch, ich würde mir ja dadurch nur selber schaden und sie wollten mir ja helfen.

  • Die Schwierigkeit liegt nicht darin, dass Öl und Weizenpreise steigen, sondern dass die inder und Chinesen und alle anderen immer mehr Fleisch essen, welches die Welternährung insgesamt gefährdet.

    Dies sind Themen die bereits mir seit mehr als 30 Jahren bekannt sind und werden aktuell in der ARD Themenwoche beleuchtet. im Prinzip ist das, was dort diskutiert wird, alles seit zig Jahren bekannt. Nun gut, es wird nun einem breiteren Publikum vorgestellt, dass die inder durch Hybrid Reis schon nach einer Stunde wieder Hunger haben, während der Originalreis den ganzen Tag satt macht und die bevölkerung deutlich besser ernährt. Sowie die Genbaumwolle und andere genprodukte die bevölkerung aufgrund des teueren Saatgutes verschulden und sich daraufhin die Ehemänner dort umbringen.

    Die Krönung schiessen aber die Tütensuppen bei der ganzen Diskussion ab. ilse Aigner gestern mal wieder,... inhaltsstoffe in Tütensuppen, beckmann ganze Fernsehsendung im ersten Programm. Doch die entscheidende Frage wurde nicht gestellt:
    Was ist der Unterschied zwischen Mononatriumglutamat oder künstlich hergestelltem Glutamat zu anderem Glutamat welches auf natürliche Weise, z.b. in Hefe enthalten ist?
    Es gibt beispielsweise Menschen die reagieren allergisch, reagieren diese auch auf natürlichen Hefeextrakt allergisch? Desweitern die Fragestellung, ob natürlicher Hefeextrakt auch als Mastmittel und süchtigmachendes Mittel einsetzbar ist, oder eben anders wirkt?

    Aber nein, es wird nur über Deklaration sinnlos debattiert, dabei sind die Wirkstoffe viel wichtiger. Doch dazu fallen denen alle den ganze nExperten dort, gar keine Fragen ein. Nur Oberflächlichkeitenrethorik, Frau ilse Aigner. in Kalbschleberwurscht ist Schweineleber drin. Dabei steht das doch nun wirklich auf der Kalbschleberwurscht dick deklariert drauf, dass da Schweineleber drin ist.

  • Es ist ja z.b. so, dass der Öl- und Weizenpreis deswegen steigen, weil die (weltweite) Nachfrage nach diesen Produkten stetig steigt.

    inder und Chinesen essen immer mehr brot und fahren immer mehr Autos.

    Was passiert also dann ?

    Wenn die Weizenpreise steigen, können die Menschen in D z.b. auf Kartoffeln oder Reis umsteigen.

    Wenn der Ölpreis steigt, dann werden mehr Elektro-/Erdgas-, sowie Hybrid- und Dieselfahrzeuge gekauft.

    Dies wirkt inflationsdämpfend.


    Wären benzinfahrzeuge ein absolut unersetzliches Gut, dann würde ein steigender Ölpreis sofort fast 1:1 auf die inflation im Warenkorb durchschlagen!


    insofern sind auch die Preise nur eine relative Größe! Denn wenn z.b. bei Siemens ein Speicher-Wassererwärmer zu kaufen ist der 50% Energie einsparen kann, dann sind 30% Preissteigerung beim Heizöl kein beinbruch!


    So jetzt habe ich sehr lange ausgeholt!

    bei den Mieten ist die Lage aber anders. Da sind 30% Preissteigerung ein absoluter beinbruch für die betroffenen. Und eine solche Preissteigerung würde zuerst sofort die inflation erzeugen bzw. anheizen.

    ist eine inflation nicht möglich (Arbeitgeber sind nicht bereit die Löhne zu erhöhen), dann würden sehr viele ihre Miete nicht mehr bezahlen und dann ggf. auf der Strasse oder in Sozialwohnungen landen.

    Es gäbe dann ziemlich viele leerstehende Wohnungen.
    Dies würde wiederum die inflationsbereinigte Miete stark nach unten drücken. Usw. usf.


    Das Ergebnis:

    Zu glauben, dass höhere Mieten mittel- und langfristig zu real höheren Einnahmen führen werden ist eher ein Trugschluss.


    Das Ergebnis für die Ölindustrie:

    Je öfters es zu einem Ölpreisschock kommt, desto mehr Volkswirtschaften werden versuchen vom Öl loszukommen!
    Was nützen den OPEC-Ländern ihre Prunkschlösser, wenn in 20 Jahren mit Öl nichts mehr zu verdienen ist ?



    Man muss einfach immer das volkswirtschaftliche Gesamtbild betrachten, um prognostizieren zu können, wann es zur inflation/Delfation kommt.

    Die Quantitätstheorie ist aber ein Werkzeug mit dem man approximativ die inflation/Deflation bestimmen kann.

    Denn kein Mensch würde ernsthaft auf die idee kommen, anhand einer gesamtvolkswirtschaftlichen betrachtung die inflation zu bestimmen. Das wäre viel zu teuer und zu zeitintensiv! Es wäre der pure Wahnsinn!


    Und die Wahrheit ist einfach der derzeitige Goldpreis. Es mag zwar sein, dass die Niedrigzinspolitik den Goldpreis nochmals befeurt hat. Aber ein Goldpreis von 700-800 US-Dollar entspricht absolut der Realität. innerhalb von 10 Jahren hat sich der Goldpreis damit fast verdreichfacht.
    Entsprechend werden sich die Preise aller lebensnotwendigen Güter innerhalb von diesen 10 Jahren fast verdreifacht haben.


    insofern müsste man hier feststellen, dass die Quantitätstheorie für lebensnotwendige Güter sogar 1:1 gilt!

    Dann ergibt sich das heutige bild:

    Statistisch erfasste inflation bleibt konstant bei 2% - weil Elektronik und Kommunikation usw. immer günstiger werden - der Goldpreis aber steigt und steigt, weil die lebensnotwendigen Güter immer teurer werden!


    Deswegen ist für Otto Normalverbraucher die Quantitätstheorie ein perfektes Werkzeug, um die inflation approximatisch zu bestimmen.


    Dass solche Forscher wie Uhlig daran rütteln, ist eine absolute Schweinerei und nichts anderes als Hirnwäsche!


    Übringens - die Geldmenge M3 steigt über Jahre mit Raten von 10%. Das macht innerhalb von 10 Jahren:

    1.1^10 = 2.59

    Und nun schaue man wo die Rohstoffpreise
    stehen im Vergleich zu vor 10 Jahren!

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