Rechtsstaatsprinzip
Von Schweden lernen, heißt wachsen lernen

Wenn Berater Expansionsstrategien für Unternehmen entwickeln, verweisen sie gerne auf Kostenvorteile in Billiglohnländern oder auf das Potenzial von Märkten, die es zu erobern gilt. Tatsächlich aber übersehen sie dabei Wichtiges: Vertrauen, Religion und Rechtsstaatsprinzip sind für das Unternehmenswachstum über Landesgrenzen hinweg viel entscheidender als gedacht, zeigt eine neue Studie.

DÜSSELDORF. Die Wissenschaftler John Van Reenen und Raffaella Sadun von der London School of Economics und Nicholas Bloom von der Stanford University fanden heraus, dass die Art der Unternehmensorganisation - streng hierarchisch oder eher kooperativ - dabei eine zentrale Rolle spielt.

Der Mechanismus funktioniert so: Ohne Vertrauen werden Entscheidungen nicht delegiert. In einem wachsenden Unternehmen nimmt aber die Zahl der zu treffenden Entscheidungen zu. Delegiert der oberste Boss wenig, stößt er - und damit das Firmenwachstum - an Kapazitätsgrenzen. Die Chance, im In- und Ausland zu expandieren, wird vertan.

Strikt hierarchische Organisationen lassen daher Managern in mittleren Positionen und im Ausland nur geringe Spielräume. Die Forscher belegen diesen Zusammenhang anhand von Daten über Unternehmenschefs und Niederlassungsleiter von mehr als 4 000 Firmen in insgesamt zwölf Ländern. Die drei Wissenschaftler können damit erstmals die internen Organisationsstrukturen in Unternehmen länderübergreifend vergleichen und den Einfluss sozialer und kultureller Rahmenbedingungen errechnen.

Mit Fragebögen haben sie ermittelt, ob Manager fernab des Hauptsitzes Investitions-, Personal- oder Produktionsentscheidungen treffen dürfen oder nicht. Das Ergebnis überraschte die Autoren in seiner Eindeutigkeit: Angelsächsische und nordeuropäische Firmen sind deutlich dezentraler organisiert und können schneller expandieren.

Viele Entscheidungen werden bei diesen Unternehmen nicht nur am Stammsitz getroffen, sondern auch in anderen Niederlassungen im In- und Ausland. Unternehmen aus Südeuropa und Asien dagegen haben sich international weit weniger verzweigt aufgestellt und sind in ihrem Wachstum begrenzt. Firmenchefs entscheiden dort häufig alles alleine.

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