Reform des Energiesparsiegels
Wie die EU Stromfresser populär macht

Seit 1994 müssen alle Hersteller das EU-Energiesparsiegel auf ihre Haushaltsgeräte kleben. Doch wegen des rasanten technischen Fortschritts in den letzten 15 Jahren hat das Label drastisch an Aussagekraft verloren. Derzeit überarbeitet die EU-Kommission das Etikett. Doch die geplante Reform droht die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher für besonders sparsame Geräte drastisch zu senken.
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DÜSSELDORF. Akribisch rechnet es die Deutsche Energie-Agentur (Dena) auf ihrer Webseite vor: Mit modernen, sparsamen Elektrogeräten kann ein Vier-Personen-Haushalt seine Stromkosten pro Jahr um 70 Euro oder acht Prozent senken. Beim Kauf einer neuen Waschmaschine oder eines Fernsehers, so der Tipp der Dena, solle man daher auf das EU-Energiesparsiegel achten.

Seit 1994 müssen es alle Hersteller auf ihre Haushaltsgeräte kleben. Die Geräte werden dabei in verschiedene Energieeffizienzklassen eingeteilt – sie reichen vom sattgrünen „A“ („niedriger Energieverbrauch“) bis zum dunkelroten „G“ („sehr hoher Energieverbrauch“).

Inzwischen aber gibt es ein Problem – das Label hat wegen des rasanten technischen Fortschritts drastisch an Aussagekraft verloren. Denn die Verbrauchswerte, die für eine gute Note nötig sind, wurden in den vergangenen 15 Jahren nie angepasst. Daher gibt es heute praktisch keine roten Aufkleber mehr – selbst die billigsten Waschmaschinen bekommen heute schlechtestenfalls ein hellgrünes „C“.

Die EU-Kommission arbeitet daher an einer Reform des Energiesparsiegels. Gegen die naheliegende Variante, die Schwellenwerte für den Stromverbrauch anzupassen, wehrt sich die Industrie mit Händen und Füßen – weil dann Geräte, die schon auf dem Markt sind, herabgestuft würden. Die EU-Kommission hat daher einen Vorschlag des Europäischen Dachverbands der Haushaltgerätehersteller übernommen. Die bestehende Skala soll demnach um drei neue Notenstufen erweitert werden: „A-20%“, „A-40%“ und „A-60%“. Für Kühlschränke ist diese neue Skala bereits beschlossen, für Fernseher laufen die Verhandlungen noch.

Aber wie würden die Verbraucher auf die neuen Energiespar-Siegel reagieren? Zwei Betriebswirte von der Universität St. Gallen sind dieser Frage in einer jüngst veröffentlichten Studie nachgegangen. Ihr Ergebnis hat es in sich: Die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher für besonders sparsame Geräte dürfte durch die neue Skala drastisch sinken, stellen die beiden Wissenschaftler Rolf Wüstenhagen und Stefanie Heinzle fest.

Basis der Studie sind umfangreiche Experimente mit rund 180 deutschen Verbrauchern. Die Wissenschaftler stellten ihre Probanden dabei jeweils vor fiktive Kaufentscheidungen für Fernsehgeräte.

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