Regulierung
Ratingagenturen richtig auf die Finger schauen

Die derzeit gängigen Vorschläge zur Regulierung der Ratingagenturen greifen zu kurz. Zwar sei es richtig und gut, Ratingagenturen unter staatliche Aufsicht zu stellen, doch selbst wenn einzelne Ratings sauber und transparent seien, erzeugen sie systematische Risiken. Ein Plädoyer für die makro-zentrierte Regulierung der Ratingagenturen.
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DÜSSELDORF. Mehrfach und massiv mussten die drei marktbeherrschenden Firmen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch ihre Urteile für strukturierte Wertpapiere herunterschrauben – unter anderem, weil sie haarsträubende handwerkliche Fehler bei der Bewertung der Risiken gemacht hatten. Das schockte Investoren bis ins Mark – und gilt als eine zentrale Ursache für die Panik an den Finanzmärkten.

Ratingagenturen, so eine wichtige Lektion der Krise, sind so wichtig, dass sie unter staatliche Aufsicht gestellt werden müssen. Doch die derzeit gängigen Vorschläge dazu greifen allesamt zu kurz, schreibt Amadou Sy in einem Diskussionspapier. Der Ökonom des Internationalen Währungsfonds kritisiert vor allem, dass die bisherigen Vorschläge zur Regulierung der Branche nur darauf fokussiert seien, die Qualität der einzelnen Ratings zu verbessern – durch mehr Transparenz und die Beseitigung von Interessenkonflikten. Weil dabei die individuellen Akteure im Zentrum stehen, sprechen Fachleute von mikro-zentrierter Regulierung (micro prudential regulation).

All dies sei zwar richtig und wichtig, betont Sy – aber es reiche längst nicht aus. Denn die Krise habe gezeigt, dass die Finanzmärkte mehr sind als die Summe ihrer Teile. Daher müssten zusätzlich die Interdependenzen und Risiken des Gesamtsystems erfasst und überprüft werden.

Selbst wenn einzelne Ratings absolut sauber und transparent seien, würden sie systemische Risiken erzeugen, argumentiert Sy – unter anderem, weil sie eine prozyklische Wirkung hätten. In wirtschaftlich guten Zeiten, in denen die Kreditausfallwahrscheinlichkeiten gering und die Ratings positiv sind, würden Investitionen beflügelt, in der Krise würden sie gebremst.

Daher müsse neben die mikro- auch eine makro-zentrierte Regulierung (macro prudential regulation) treten, die systematische Risiken des Gesamtsystems ins Visier nimmt. Mit Blick auf die Regulierung von Banken ist das inzwischen akzeptiert. Sy fordert, diese Erkenntnis auch auf Ratingagenturen zu übertragen. Wie eine solche Regulierung im Detail aussehen könnte, ist aber noch relativ unklar – die Forschung dazu steht erst am Anfang.

Als Erstes müssten die Kanäle, über die Ratings systemische Risiken schaffen können, mit Hilfe von „Rating-Landkarten“ detailliert dokumentiert und analysiert werden, fordert Sy. Außerdem empfiehlt er Stresstests, in denen simuliert wird, was abrupte Ratingherabstufungen für das gesamte Finanzsystem bedeuten. Finanzinstituten, die in Stresstests schlecht abgeschnitten haben, sollten daher strengere Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften auferlegt werden.

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