Schulbildung Martin Luther – ein Feminist der ersten Stunde?

Als Luther im Oktober 1517 seine Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg schlägt, macht er nicht nur der katholischen Kirche Konkurrenz. Auch auf die Schulbildung der Mädchen haben Luthers Forderungen großen Einfluss.
Luther-Denkmal auf dem Marktplatz von Wittenberg. Forscher fanden heraus, dass Luthers Ansinnen nach allgemeiner Schulbildung durchaus Früchte trug. Quelle: ap

Luther-Denkmal auf dem Marktplatz von Wittenberg. Forscher fanden heraus, dass Luthers Ansinnen nach allgemeiner Schulbildung durchaus Früchte trug.

(Foto: ap)

DüsseldorfFür Wissenschaftler ist Martin Luther bis heute ein interessantes Forschungsobjekt. Der Soziologe Max Weber war bereits 1904 der Ansicht, dass erst die Reformation modernes Unternehmertum und industrielle Revolution möglich gemacht hat.

Die Wirtschaftswissenschaftler Sascha Becker von der University of Stirling und Ludger Wößmann von der Ludwig-Maximilians-Universität in München haben 2009 in ihrer viel beachteten Studie „Was Weber Wrong?“ gezeigt: Das von Weber postulierte Wohlstandsgefälle zwischen Protestanten und Katholiken existierte im Preußen des 19. Jahrhundert tatsächlich. Bei der Erklärung des Phänomens aber irrte Weber. Es war nicht die Arbeitsethik, die die Protestanten reicher machte, sondern ihre besseren Lese- und Schreibfähigkeiten. Denn genau darauf hatte Luther großen Wert gelegt. Er wollte, dass möglichst jeder die Bibel lesen kann.

Dank dieser Forderung hat sich auch die Bildungslücke zwischen den Geschlechtern deutlich verringert. Und dies scheint Folgen zu haben, die auch fast 500 Jahre später noch spürbar sind. Das zeigen Becker und Wößmann in einer weiteren Studie mit dem Titel „Luther and the Girls“.

Im Jahr 1520 forderte Luther zum ersten Mal: Nicht nur Jungen, sondern auch Mädchen sollten lesen und schreiben können. Sie sollten in der Lage sein, die Bibel zu studieren. „Und wollte Gott, eine jegliche Stadt hätte auch eine Mädchenschule, darinnen täglich die Mägdlein eine Stunde das Evangelium hörten“, schrieb Luther in der Schrift. „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung: Sollte nicht billig ein jeglicher Christenmensch bei seinen neun oder zehn Jahren wissen das ganze heilige Evangelium?“ Luthers Ansinnen trug Früchte, weisen Becker und Wößmann in ihrer wirtschaftshistorischen Studie nach. Die Reformation führte dazu, dass deutlich mehr protestantische Mädchen zur Schule gingen.

Protestantische Frauen konnten besser lesen
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