Studie angesehener Makroökonomen
Die Subprime-Krise auf dem ökonomischen Seziertisch

Ökonomischer Kern der Subprime-Krise ist, dass auf einen Schlag die Sicherheiten vieler Kredite deutlich weniger wert sind. Was hat das für Folgen für die Konjunktur und wie sollten die Notenbanken reagieren? Zwei angesehene US-Makroökonomen haben dies untersucht - und kommen zu einem spannenden Ergebnis.
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Manche wichtige und gute Fragen stellt man sich nicht mehr, wenn man nur lange genug Volkswirtschaftslehre (VWL) studiert hat. Dazu gehört die Frage: "Welcher Zins?" Genauer: Welcher Zins ist es, der in den makroökonomischen Modellen so schön dafür sorgt, dass Investitionen und Ersparnis zum Ausgleich gebracht werden? Sind es die drei Prozent, die der Sparer bekommt, oder die zehn Prozent, die zahlt, wer sein Girokonto überzieht? Oder ist es irgendein Zins dazwischen - etwa der Leitzins der Europäischen Zentralbank von vier Prozent oder vielleicht die Rendite von Staatsanleihen?

Wer danach in einer makroökonomischen Einführungsvorlesung fragt, der bekommt eine ebenso simple wie unbefriedigende Antwort: Es sei schlicht zu kompliziert, mit verschiedenen Zinssätzen zu rechnen. Deshalb nähmen Makroökonomen vereinfachend an, es gebe den einen Zins, den man in die Modelle einsetzen kann. Doch die Turbulenzen, die von der US-Hypothekenkrise ausgelöst wurden, haben deutlich gezeigt, wie weltfremd die Annahme von dem einen Zins sein kann. Im Zuge der Subprime-Krise sind manche Zinsen gefallen, andere gestiegen. Teuer geworden sind unter anderem Kredite, die sich die Banken untereinander geben. Die Kapitalmarktzinsen sind tendenziell gefallen, je nach Laufzeit unterschiedlich stark. Die Zinsen für Bankkredite an Unternehmen und Haushalte haben sich sehr unterschiedlich entwickelt, je nach Bonität, Sicherheiten und Laufzeit.

Die beiden angesehenen Makroökonomen Marvin Goodfriend und Bennett McCallum von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh haben mit der unrühmlichen Tradition des Einheitszinses in der ökonomischen Theorie gebrochen und zeigen: Notenbanken können große Fehler machen, wenn sie die Zinsdifferenz zwischen Soll und Haben einfach ignorieren. Als ob die beiden Forscher hellsehen konnten, haben sie einen Aufsatze dazu veröffentlicht, kurz bevor die US-Hypothekenkrise ausbrach.

Im Zentrum ihrer Analyse steht der von der traditionellen Ökonomie vernachlässigte Bankensektor. Für Volkswirte produzieren Banken Güter bzw. Dienstleistungen, so wie andere Unternehmen auch.

Nur stellt der Finanzsektor keine Autos oder Kühlschränke, sondern produziert Kredite. Das kostet Geld, denn die Banken müssen einigen Aufwand betreiben, um die Kreditwürdigkeit potenzieller Schuldner zu beurteilen und um die Kredite zu verwalten. Diese Kosten sorgen dafür, dass Unternehmen und Haushalte für Fremdfinanzierung eine Prämie bezahlen müssen. Kreditzinsen sind höher als die Refinanzierungskosten der Banken. Je effizienter Banken arbeiten, desto geringer ist der Zinsaufschlag.

Die Produktion von Krediten durch Banken wird billiger, wenn der Kreditnehmer Sicherheiten bieten kann - dann ist der Zinsaufschlag entsprechend geringer.

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