Studie: Die Präferenzen von Wählern sind endogen
Wie man Margaret Thatcher lieben lernt

Unter der Ägide von Margaret Thatcher hat die Ungleichheit in Großbritannien in den achtziger Jahren deutlich zugenommen. Das gefiel den Briten anfangs ganz und gar nicht, zeigt eine neue Studie - nach und nach fanden die Menschen aber Gefallen an der neuen Lage. Denn ihre Wertvorstellungen passten sich der Umgebung an.

Europäer mögen keine Ungleichheit. Amerikaner glauben, dass jeder selbst seines Glückes Schmied ist und dass Leistung reichlich belohnt werden sollte. Deshalb sind in der alten Welt die Steuern höher, die Sozialleistungen besser und die Einkommensunterschiede viel kleiner als in den USA.

So lautet die landläufige Sicht der Dinge.

Dass auch umgekehrt ein Schuh daraus werden kann, wird leicht übersehen. Vielleicht glauben ja die Amerikaner so sehr an Leistungsanreize und Eigenverantwortung, weil die Einkommensunterschiede dort so groß sind.

Dass diese auf den ersten Blick sonderbar anmutende Interpretation theoretisch einiges für sich hat, haben die Ökonomen Roland Benabou und Jean Tirole in einer Arbeit gezeigt, die 2006 im "Quarterly Journal of Economics" erschien und am 14. April 2005 an dieser Stelle vorgestellt wurde.

Im Kern lautet ihre Argumentation so: Wenn alle ähnlich viel verdienen und der Staat sich um Verlierer kümmert, schaden Eltern ihren Kindern nicht, wenn sie ihnen von sozialer Gerechtigkeit und der Ungerechtigkeit der Welt erzählen. Sind die Einkommensunterschiede aber groß und ist die helfende Hand des Staates schwach, dann sollten Eltern tunlichst ihren Sprösslingen von früh auf einpflanzen: Man ist selbst für sein Schicksal verantwortlich und muss sich anstrengen, um einen gut bezahlten Job zu finden.

Zwischen dem Ausmaß der Ungleichheit und den Einstellungen der Menschen zu Fairness und Selbstverantwortung kann es also zu Rückkopplungen kommen. Und damit erklären die Forscher, warum sich die Gemeinwesen der ethnisch so ähnlichen Amerikaner und Europäer in so unterschiedliche Richtungen entwickelt haben.

Die gegenläufige Entwicklung von Ungleichheit und Fairness-Empfinden, die Benabou und Tirole theoretisch hergeleitet haben, haben jetzt zwei Forscher der London School of Economics für Großbritannien empirisch nachgewiesen. Großbritannien ist ein besonders ergiebiges Land für diese Frage, weil sich dort in den letzten 25 Jahren die Einkommensunterschiede deutlich vergrößert haben. Vor allem der Anteil der Topverdiener am Gesamteinkommen stieg beträchtlich.

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