Studie im "Quarterly Journal of Economics"
Karl Marx hatte Recht

Welche Faktoren sind dafür verantwortlich, ob Menschen marktwirtschaftlich denken oder nicht? Ein dreiköpfiges Forscherteam hat diese Frage in einer faszinierenden Fallstudie am Beispiel von Landlosen in Argentinien untersucht. Das Ergebnis: Entscheidend sind die ökonomischen Umstände, in denen die Menschen leben. Damit bestätigt sich eine alte These von Karl Marx.
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"Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein“, postulierte Karl Marx vor rund 150 Jahren. Damit meinte der Ökonom und Philosoph: Was wir denken und wollen, hängt von den wirtschaftlichen Umständen ab, in denen wir leben.

Die modernere Ökonomie dagegen hat die Frage, wie die Wertvorstellungen der Menschen entstehen, lange ignoriert. Für Volkswirte war es selbstverständlich, die Präferenzen der „Wirtschaftssubjekte“ als gegeben hinzunehmen und nicht zu hinterfragen.

Nun kommt es in der Profession zu einem Paradigmenwechsel: Vorbei sind die Zeiten, in denen Volkswirte die Frage, wie Präferenzen entstehen, als Black Box betrachten. Denn inzwischen erkennen Wirtschaftswissenschaftler: Gesellschaftliche Normen und kulturelle Faktoren haben große Rückwirkungen auf ökonomische Institutionen und Strukturen.

So sind zum Beispiel 60 Prozent der Amerikaner der Meinung, arme Menschen seien faul und für ihr Schicksal selbst verantwortlich. In Europa sehen das nur 25 Prozent der Menschen so. Zugleich geben die Vereinigten Staaten nur 16 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Sozialleistungen aus – in Europa sind es 25 Prozent.

Doch was ist dabei Ursache und was Wirkung? Organisiert eine Gesellschaft ihre ökonomischen Institutionen so, wie es ihren Präferenzen entspricht? Oder beeinflusst die Wirtschaftsordnung die Wertvorstellung der Menschen? Wissenschaftlich seriös ließen sich diese Fragen bislang kaum beantworten – denn beide Faktoren beeinflussen sich gegenseitig. Umso bemerkenswerter ist eine empirische Untersuchung, die jüngst im renommierten „Quarterly Journal of Economics“ erschienen ist – denn sie liefert valide wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkungsrichtung.

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