Studie
Quotenfrauen sind besser als ihr Ruf

Von den Frauen, deren Können dafür gut genug war, war es dagegen nur jede dritte. Die übrigen zogen das bescheidene, aber sichere Salär pro gelöster Aufgabe vor. In der realen Berufswelt kann man sich diese Frauen vorstellen als überdurchschnittlich qualifizierte Mitarbeiterinnen, die sich am Rattenrennen um die besten Jobs nicht beteiligen, sondern still und unauffällig ihren Dienst tun.

Die Forscherinnen fragten die Teilnehmer, wie sie ihre eigene Leistung bewerteten. So stellten sie fest, dass die Männer sich systematisch überschätzten. Frauen dagegen hatten ein realistisches Bild ihrer eigenen Performance.

Interessant ist: Bei den Männern verschwand die Selbstüberschätzung weitgehend, wenn sie nach dem Rangplatz im Verhältnis zu männlichen Konkurrenten gefragt wurden. Offenbar zogen sie einen Großteil des überhöhten Selbstvertrauens daraus, dass sie sich den Frauen in ihrer Gruppe überlegen fühlten.

In einer vierten Turnierrunde führten die Forscherinnen eine Frauenquote ein. Sie legten fest, dass mindestens einer der beiden Sieger weiblich sein musste. Damit stiegen die Erfolgsaussichten für Frauen erheblich. Die Folge: Der Anteil der Frauen, die sich für das Turnier entschieden, stieg drastisch an – auf 83 Prozent. Bei den Männern waren es nur 45 Prozent.

Weil sich plötzlich so viele Frauen für das Turnier entschieden, stieg die Zahl der überdurchschnittlich guten weiblichen Teilnehmer, die miteinander konkurrierten, deutlich an. Weil sich jetzt deutlich mehr als nur ein Drittel der überdurchschnittlich guten Frauen dem Wettbewerb stellten, stieg die Leistungsschwelle, die die Gewinnerin überschreiten musste. Sie war nur geringfügig niedriger als für Männer. Um die 50-prozentige Frauenquote unter den Gewinnern zu erreichen, mussten nur wenige Männer übergangen werden, die bessere Leistungen brachten.

Ohne die Ankündigung der Quotenregel und die dadurch entstehende stärkere Turnier-Beteiligung der Frauen hätte das ganz anders ausgesehen. Wer in der dritten Turnierrunde im Nachhinein gleich viele Männer wie Frauen zu Gewinnern hätte küren wollen, hätte die Leistungsanforderungen für Frauen deutlich senken müssen.

Für das wirkliche Leben lässt sich daraus ableiten: Wer eine Frauenquote einführt, sollte auf der untersten Hierarchieebene anfangen und dies lange vorher ankündigen. Nur dann kann der positive Teilnahmeeffekt seine volle Wirkung entfalten. Dann hat man gute Karten, den Frauenanteil unter den Führungskräften deutlich zu erhöhen, ohne die Qualitätsansprüche herunterschrauben zu müssen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%