Studie
Quotenfrauen sind besser als ihr Ruf

"Das ist die Quotenfrau" - es gibt wenige Charakterisierungen, mit der man eine weibliche Führungskraft so schnell und gründlich diskreditieren kann. Eine neue Studie zeigt jetzt jedoch: Frauenquoten führen keineswegs zu einer Diktatur der Mittelmäßigkeit.

Frauenquoten produzieren Quotenfrauen – das sind Damen, die nur deshalb eine Position innehaben, weil sie das richtige Geschlecht besitzen. Männer, die besser geeignet wären, kommen wegen des falschen Geschlechts nicht zum Zuge. Entsprechend groß ist allseits die Verachtung für Quotenfrauen. Nicht zuletzt erfolgreiche Frauen sind vehement gegen Quotenregelungen, weil sie den schlechten Ruf der Quotenfrau fürchten.

Drei Wirtschaftsforscherinnen der Universitäten Pittsburgh, Stanford und Pompeu Fabra (Barcelona) haben im Labor untersucht, ob diese Einschätzung gerechtfertigt ist. Den beruflichen Aufstieg in einer Hierarchie betrachteten sie – wie in der Ökonomie üblich – als Turnier. In den Experimenten treten die Mitglieder einer Gruppe gegeneinander an und der oder die Beste gewinnt einen Preis, den man sich im realen Arbeitsleben als Beförderung auf die nächsthöhere Hierarchiestufe vorstellen kann. Die anderen gehen leer aus.

Zu den in der Wissenschaft weithin akzeptierten Erklärungsfaktoren dafür, dass der Frauenanteil von Hierarchieebene zu Hierarchieebene steil abnimmt, gehört, dass viele Männer den Wettstreit lieben. Frauen dagegen, so die durch verschiedene Studien belegte These, gehen einem von Konkurrenz geprägten Umfeld eher aus dem Weg, jedenfalls dann, wenn sie mit Männern konkurrieren.

Die Forscherinnen Lise Vesterlund, Muriel Niederle und Carmit Segal haben untersucht, was passiert, wenn Frauen nicht direkt gegen Männer antreten müssen, um zu gewinnen. Sie ließen Frauen und Männer standardisierte Rechenaufgaben lösen. Zunächst wurden die Teilnehmer einfach danach bezahlt, wie viele Aufgaben sie korrekt lösten. Dabei zeigte sich: Männer waren im Durchschnitt etwas besser als Frauen.

In einer zweiten Runde traten die Teilnehmer in gemischten Gruppen gegeneinander an, nur die besten zwei Teilnehmer gewannen Preise. Auch hier schnitten die Männer besser ab. In einer dritten Runde durften die Teilnehmer vorab wählen, ob sie allein gemäß der eigenen Leistung oder nach ihrer relativen Performance im Vergleich zu den anderen Probanden bezahlt werden wollten.

Wer überdurchschnittlich gut rechnen konnte, fuhr objektiv mit der relativen Entlohnung besser. Dabei gingen zwei Drittel der Teilnehmer leer aus, ein Drittel gewann einen deutlich höheren Preis. Von den Männern, die objektiv mit dem Turniermodus besser bedient waren, entschieden sich alle dafür.

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