Studie: Referees sind parteiisch
Schiedsrichter wollen geliebt werden

Fans von Fußballmannschaften üben sozialen Druck auf den Schiedsrichter aus, zeigen zwei Ökonomen in einer neuen Studie. Daher neigen die Unparteiischen dazu, Gastmannschaften zu bevorzugen. Wenn die Mannschaften vor leeren Stadien spielen, verschwindet der Effekt.
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Wie unparteiisch sind Schiedsrichter wirklich? Diese Frage bewegt nicht nur Fußball-Fans, sie treibt auch Wirtschaftswissenschaftler um. Und das Urteil der Ökonomen ist eindeutig: Referees neigen dazu, die Heim-Mannschaften zu bevorzugen. Eine neue, soeben veröffentlichte Studie untersucht die Gründe dafür und stellt die These auf: Es ist vor allem der soziale Druck durch die Fans, der die Schiedsrichter beeinflusst. Die Unparteiischen wollen sich – ob bewusst oder unbewusst – bei den Fans beliebt machen.

Die Ökonomen Per Pettersson-Lidbom (Uni Stockholm) und Mikael Priks (LMU München) beleuchten die Gründe für den so genannten „Home bias“ mit einem natürlichen Experiment. Sie machen sich zu Nutze, dass in Italien in dieser Saison wegen Fan-Krawallen und unsicherer Stadien einige Spiele in der ersten und zweiten Liga vor leeren Stadien stattfinden mussten. Pettersson-Lidbom und Priks untersuchen: Unterschiedet sich das Verhalten eines Unparteiischen, wenn er ein Spiel vor leeren Rängen pfeift? Sie konzentrieren sich dabei auf das individuelle Verhalten einzelner Referees: „Wir betrachten das Verhalten desselben Schiedsrichters, wenn er ein Spiel ohne Fans pfeift im Vergleich zu einem Spiel mit tausenden von Besuchern.“

Die Forscher stellen fest: Bei Spielen vor leeren Rängen werden Auswärts-Mannschaften vom Schiedsrichter besser, Heim-Mannschaften dagegen schlechter behandelt als bei Spielen vor Publikum. So lasten die Schiedsrichter den Auswärtsteams im Schnitt 2,6 Fouls weniger an, dem Heimteam dagegen 1,7 Fouls mehr. Die Gastmannschaft bekommt im Schnitt deutlich weniger gelbe und rote Karten als bei Spielen vor Zuschauern – die Zahl der Verwarnungen gegen das Heimteam sinkt zwar ebenfalls, aber der Rückgang ist deutlich kleiner.

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