Studie: Wann scheitern Finanzhäuser?
Was Sie über Bankenkrisen wissen sollten

Die Angst geht um an den Finanzmärkten – davor, dass die Krise, die Northern Rock, IKB und SachsenLB ins Wanken brachte, weiteren Banken zum Verhängnis wird. Eine neue Studie beleuchtet historische Crashs – und ist beim US-Ökonomennetzwerk NBER eines der am häufigsten heruntergeladenen Forschungspapiere.
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Es waren dramatische Szenen, die sich im September vor den Filialen der britischen Hypothekenbank Northern Rock abspielten. Zehntausende Kunden standen Schlange, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Die Lage beruhigte sich erst, als die Regierung in London eine pauschale Garantie für alle Einlagen abgab – nicht nur für die bei dem als „Northern Wreck“ verhöhnten Institut, sondern auch für andere Banken, die noch in Schwierigkeiten kommen könnten.

War dieser Blankoscheck angemessen, um eine ausgewachsene Panik abzuwenden? Oder erweist der Staat der Stabilität des Finanzsektors damit auf Dauer einen Bärendienst?

Geht es nach Charles W. Calomiris, Ökonomie-Professor an der Columbia University in New York, dann ist wohl Letzteres der Fall. „Die Forschung über Bank-Zusammenbrüche zeigt: Das Risiko von Krisen in einem Land ist um so größer, je stärker die Finanzinstitute durch ein staatliches Sicherheitsnetz geschützt sind“, schreibt Calomiris in einem Überblicksartikel für das „Oxford Handbook of Banking“.

Die Analyse ist jüngst vorab als Arbeitspapier des National Bureau of Economic Research erschienen und gehört derzeit zu den am häufigsten heruntergeladenen Studien auf der Webseite des Instituts. Auch empirische Arbeiten dazu, wie vernünftige Bankenregulierung aussieht, betonen laut Calomiris: Es ist wichtig, dass die Banken dem Risiko des Scheiterns ausgesetzt sind.

Hinter dem Argument steht die Logik, dass übermäßig geschützte Banken undiszipliniert agieren und zu viele Risiken eingehen. Die Institute verhielten sich ähnlich wie ein Mietwagenfahrer, der keine Rücksicht auf das Auto nimmt, weil er eine Vollkasko-Versicherung ohne Selbstbeteiligung hat. Unter dem Schlagwort „moral hazard“ gehört dieser Mechanismus seit langem zum Basiswissen der Ökonomie.

Nun mag man einwenden, Northern Rock sei ein ganz spezieller Fall gewesen, eine Panik hätte um jeden Preis Panik verhindert werden müssen. Sonst hätte es weitere Runs auf Banken geben können, was nicht nur für das Finanzsystem, sondern auch die Realwirtschaft extrem unangenehm geworden wäre.

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