Studie
Warum Ideenklau ein lohnendes Geschäft ist

Bisher waren die meisten Innovationsforscher sich sicher: Wird eine Erfindung schnell kopiert, kann der Entwickler kaum Geld damit verdienen. Nun haben Forscher der Universität Hongkong die Auswirkungen des Ideenklaus untersucht und festgestellt: Auch die Erfinder können von kopierten Ideen langfristig profitieren.
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DÜSSELDORF. Es ist die große Tragik des Erfinderdaseins: Viele Erfinder entwickeln große Innovationen, aber das große Geld verdienen letztlich andere damit. So ging es zum Beispiel Elisha Gray, der 1876 das erste serienreife Telefon entwickelte. Reich und berühmt wurde aber mit der Erfindung ein anderer: Alexander Graham Bell.

Es gibt viele solcher Beispiele in der Geschichte. Die meisten Innovationsforscher waren daher bislang überzeugt, dass die ursprünglichen Erfinder nur Nachteile haben, wenn ihre Entwicklungen schnell Nachahmer finden. Schließlich würden ihnen so die meisten Profite aus ihren Ideen verloren gehen.

In einem Artikel, der im kommenden April im renommierten Academy of Management Journal erscheint, wird dieser Grundsatz jedoch stark in Zweifel gezogen. Drei Forscher – Hongyan Yang von der Universität Hongkong sowie Corey Phelps und Kevin Steensma von der Universität des Staates Washington – wollen zeigen, dass Erfinder nur kurzfristig Nachteile erleiden, wenn andere ihre Innovationen stibitzen, langfristig meist aber davon profitieren.

Der Grund für ihre These: Die ursprünglichen Erfinder könnten sich durch die Weiterentwicklungen der Konkurrenten wiederum selbst zu neuen Ideen inspirieren lassen. Nach einer empirischen Analyse mit Daten aus der amerikanischen Telekommunikationsbranche kommen Yang, Phelps und Steensma zu dem Schluss: „Die ursprünglichen Erfinder profitieren sehr wohl von dem, was andere von ihnen gelernt haben.“

Hellhörig gemacht hatte sie der Fall Kodak. Der amerikanische Fotokonzern hatte 1985 die organische Leuchtdiode (OLED) erfunden. Damit bestückte Displays arbeiten deutlich energieeffizienter als etwa LCD-Bildschirme. Kurz nachdem Kodak die bahnbrechende Erfindung veröffentlicht hatte, wurde sie von einem ganzen Heer von Nachahmern aufgegriffen: 30 andere Schwergewichte der Branche haben seither an eigenen Dioden gebastelt und mehr als 6 000 Patente dazu angemeldet.

Doch trotz der Übermacht der Konkurrenz gelang es Kodak immer wieder, sich mit neuen Entwicklungen an die Spitze des Wettlaufs zu setzen. Als andere Firmen Kodaks Innovationen mit eigenem Wissen zu neuen Ideen verbanden, sei ein großer Wissens-Pool entstanden, den Kodak dann im Gegenzug wieder ausnutzen konnte, argumentieren die drei Forscher. Je mehr Wissen zu einem Thema verfügbar sei, desto mehr Möglichkeiten gebe es eben, dieses zu neuen Ideen zu kombinieren.

Die Leitfrage, die die drei Ökonomen empirisch untersuchen: Steigt die Zahl der Erfindungen eines Unternehmens, wenn ihre früheren Innovationen besonders oft von der Konkurrenz genutzt wurden? Um das zu beantworten, nahmen die Forscher 12 000 Patente unter die Lupe, die 87 führende Telekommunikationskonzerne zwischen 1987 und 1997 beim amerikanischen Patentamt eintragen ließen. Der Vorteil dieser Daten: Wer ein Patent anmeldet, muss darin genau zitieren, auf welchen anderen Patenten seine Idee aufbaut. Die Forscher wussten also genau, wer sich von wem inspirieren ließ.

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  • Alexander Graham bell hatte das Glück des Tüchtigen und war Elisha Gray bei der Anmeldung des Patentes zur „elektrischen Schallübertragung“ um zwei Stunden voraus. Auch die dann folgenden gerichtlichen Auseinandersetzungen gingen für Gray negativ aus. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. in diesem Fall kann man nicht von ideenklau sprechen, denn in diesem bereich gibt es noch einen, der als Erfinder des Telefons gilt und oft übersehen wird, Johann Philipp Reis. Auch wenn viele damalige Wissenschaftler und Forscher gerade diese Erfindung als Spielerei abtaten; das erste Telefonbuch in berlin wurde Jahre später als Liste der Narren bezeichnet; war es ein Verwaltungsbeamter, der die Dimension und Möglichkeiten dieser Erfindung erkannte und mit Nachdruck in Deutschland einführte, der Generalpostmeister Heinrich (von) Stephan.

    ideen zu klauen ist nichts neues, der größte Diebstahl aller Zeiten dürfte wohl nach dem Zweiten Weltkrieg durch die „Sieger“ in Deutschland stattgefunden haben und brachte, besonders den Amerikanern und wenig später den Russen einen enormen technischen Aufschwung. ideenklau lohnt sich für den Dieb immer, er spart Zeit und Geld. Gelingt es ihm das Produkt ein wenig preiswerter anzubieten, hat er den ideengeber gleich zweimal erwischt. Sich vor ideenklau zu schützen, dürfte fast unmöglich sein, ebenso, seine Rechte entsprechend durchzusetzen.

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