Studie
Wenn höhere Preise zu steigender Nachfrage führen

Der Brite Robert Giffen war sorgte im 19. Jahrhundert mit einer gewagten Theorie für Furore: Giffen beschrieb eine Situation, bei der steigende Preise zu steigender Nachfrage führen könnten. Lange Zeit galt diese These als unhaltbar, doch einige unbeugsame amerikanische Wissenschaftler scheinen nun den Durchbruch geschafft zu haben.

DÜSSELDORF. Wie kann sich ein Volkswirt wissenschaftlich unsterblich machen? Für den Ökonomie-Nobelpreisträger George Stigler war die Antwort klar: Wenn ihm der Nachweis gelingt, dass auf einem realen Markt das „Gesetz der Nachfrage“ versagt. Wenn er also zeigen kann, dass die Nachfrage nach einem Gut mit steigendem Preis nicht sinkt, sondern zunimmt.

Der britische Journalist und Statistiker Robert Giffen hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts behauptet, dass dies der Fall sein könne – seitdem geistert der Begriff „Giffen-Gut“ durch die Volkswirtschaftslehre. Aber gibt es reale Beispiele dafür, dass die Nachfrage nach einem Gut steigt, wenn dieses teurer wird? Oder handelt es sich nur um einen theoretischen Spezialfall?

Seit mehr als 100 Jahren treibt diese Frage Ökonomen um. Lange lautete die herrschende Meinung, Kartoffeln während der irischen Hungersnot von 1840 wären ein Beispiel für ein Giffen-Gut. Das gilt aber heute als widerlegt. Seitdem hat sich die Meinung durchgesetzt: Das von Giffen beschriebene Phänomen existiert in der Realität nicht.

Zwei Wissenschaftler der Harvard-Universität gaben sich damit nicht zufrieden – jahrelang haben Robert Jensen und Nolan Miller akribisch nach Giffen-Gütern in der Wirklichkeit gefahndet. Und sie sind fündig geworden.

In einer jüngst veröffentlichten Studie liefern sie ein empirisches Beispiel für ein Gut, bei dem steigende Preise tatsächlich zu einer höheren Nachfrage führen.

Schon lange war theoretisch klar, dass dafür sehr spezielle Voraussetzungen erfüllt sein müssen: Das Einkommen eines Menschen darf gerade so hoch sein, dass es für etwas mehr als das nackte Überleben reicht. Zur Ernährung dürfen auch nur zwei Gruppen von Nahrungsmitteln zur Verfügung stehen: billige Grundnahrungsmittel wie Brot, die viel Kalorien für wenig Geld bieten, und teurere Lebensmittel wie Fleisch, die besser schmecken, aber pro Geldeinheit weniger Nährstoffe bieten. In einer solchen Lage wird ein Mensch hauptsächlich Brot essen, um genug Kalorien zu sich zu nehmen – und von dem übrigen Geld Fleisch kaufen.

Wenn nun das Grundnahrungsmittel deutlich teurer wird, kann sich der Verbraucher die ursprünglichen Menge an Brot und Fleisch nicht mehr leisten. Um genug Kalorien zu bekommen, muss er weniger Fleisch und mehr Brot kaufen.

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