Studie zum Informationsgehalt von Wachstums- und Inflationsvorhersagen
Konjunkturprognosen noch schlechter als ihr Ruf

Wie aussagekräftig sind Wachstums- und Inflationsprognosen? Zwei Wirtschaftsforscher haben diese Frage akribisch untersucht und kommen zu einem vernichtendem Ergebnis: In den vergangenen 20 Jahren haben die Vorhersagen deutlich an Informationsgehalt verloren. Besonders dramatisch ist der Qualitätsverlust bei den Prognosen von Zentralbanken.
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"Früher war alles besser, sogar die Zukunft“, spottete Karl Valentin über den menschlichen Hang, die Vergangenheit zu verklären. Tatsächlich ist zumindest ökonomisch meist das genaue Gegenteil der Fall: Güter und Dienstleistungen werden dank des technischen Fortschritts im Laufe der Zeit besser, nicht schlechter. Wer sich zum Beispiel heute einen Neuwagen oder Personalcomputer kauft, bekommt deutlich mehr für sein Geld als vor zwanzig Jahren.

Allerdings: Es gibt auch Ausnahmen. Zum Beispiel bei Konjunkturprognosen – die waren vor zwanzig oder dreißig Jahren deutlich zuverlässiger als heute. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Ökonomen Antonello D’Agostino von der irischen Notenbank und Karl Whelan vom University College London.

Am Beispiel der Vereinigten Staaten haben die Forscher untersucht, wie sich die Treffsicherheit von Wachstums- und Inflationsprognosen der Federal Reserve Bank und privater Finanzhäuser in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

Die Studie, die Whelan in der vergangenen Woche auf der Jahrestagung der European Economic Association in Budapest vorstellte, kommt zu einem pikanten Ergebnis: Ausgerechnet die Prognosen der Federal Reserve Bank, die in das Prognosegeschäft deutlich mehr Ressourcen steckt als private Banken, haben deutlich nachgelassen.

In den siebziger und achtziger Jahren waren die Fed-Prognosen noch deutlich besser als die aus der Privatwirtschaft. Seit den frühen neunziger Jahren aber ist es mit dieser Überlegenheit vorbei. Selbst im Vergleich zu einer sogenannten „naiven“ Prognose, bei der einfach die Entwicklung der Vergangenheit in die Zukunft fortgeschrieben wird, sind die Notenbankprognosen nicht mehr treffsicherer.

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