Studie zur "Great Depression"
Wege aus der Krise: Von Roosevelt lernen

Bis vor kurzem war die Frage nur für Historiker interessant – durch die Finanzkrise ist sie plötzlich wieder hoch aktuell: Was führte zum Ende der "Great Depression"? Ein US-Ökonom hat in seinen Computern die Krise nachgespielt – und kommt zu erstaunlichen Antworten. Seine Studie zeigt, welche Optionen bleiben, falls das akute Krisenmanagement misslingt.

Keine Idee erschien dem Mann zu abwegig, um die seit Jahren am Boden liegende US-Wirtschaft wieder zum Laufen zu kriegen. Quer durch die Einsamkeit der Blue Ridge Mountains ließ US-Präsident Franklin Delano Roosevelt eine 755 Kilometer lange Straße bauen. Arbeitslose Frauen in Milwaukee nähten im Auftrag der amerikanischen in liebevoller Handarbeit tausende von Puppen. Journalisten ohne Job schickte der Staat quer durch die USA, damit sie Reiseführer über jeden Winkel des Landes schreiben.

So kreativ all diese Programme auch gewesen sind – ihr direkter Nutzen im Kampf gegen die „Great Depression“ war wohl eher gering. Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie von Gauti Eggertsson, einem Ökonom im Forscherstab der Federal Reserve Bank of New York. Er hat untersucht, was zum Ende der „Great Depression“ führte. Die Arbeit ist in der September-Ausgabe des „American Economic Review“ erschienen. Vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise bekommt sie plötzlich eine ungeahnte Aktualität. Denn die Studie zeigt auf, welche Optionen der Politik bleiben, falls das akute Krisenmanagement misslingt.

Die Kernthese des Notenbank-Ökonomen lautet: Roosevelts „New Deal“ war der entscheidende Grund dafür, dass es ab 1933 in den USA eine Wende zum Besseren gab. Aber nicht in erster Linie wegen seiner direkten ökonomischen Effekte. Viel wichtiger waren die psychologischen Wirkungen der Politik. „Die Erholung der US-Wirtschaft wurde durch einen grundlegenden Wandel der Erwartungen getrieben“, so Eggertssons Fazit. „Dieser Wandel wurde durch Roosevelts Politik verursacht.“

Bis zu seinem Amtsantritt hätten Unternehmer und Verbraucher damit gerechnet, dass die Wirtschaft weiter schrumpft und die Deflation andauert – und durch ihr Verhalten dafür gesorgt, dass dies der Fall war. Roosevelt habe es geschafft, diese negativen Erwartungen zu durchbrechen: Die Amerikaner fassten wieder Hoffnung, dass die Abwärtsspirale durchbrochen werden konnte und gaben daher wieder mehr Geld aus. „Der Schlüssel für die Erholung war das erfolgreiche Management von Erwartungen über die zukünftige Politik“, schreibt der Ökonom.

Aber wie ist Roosevelt dieses Kunststück gelungen? Entscheidenden war laut Eggertsson eine Kombination aus starker Rhetorik und Taten, die seine Worte glaubwürdig machten.

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