Studie zur Preisentwicklung von harten Drogen
Globalisierung verbilligt Kokain und Heroin

Die Globalisierung macht nicht nur Computer, Textilien und andere Güter des täglichen Bedarfs billiger - sie sorgt auch für einen drastischen Preisverfall bei harten Drogen wie Heroin und Kokain. Wie und warum, das zeigen zwei Ökonomen in einer faszinierenden Studie.
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Solch einen drastischen Preisverfall gibt es nicht auf vielen Märkten: Um 50 bis 80 Prozent sind harte Drogen seit Anfang der neunziger Jahre in den westlichen Industrieländern billiger geworden.

1990 kostete ein Gramm Kokain in Europa laut Drogenbericht der Vereinten Nationen um die 175 Dollar - heute sind es weniger als 100 Dollar. Heroin bekommt man auf dem europäischen Schwarzmarkt inzwischen sogar für rund 75 Dollar pro Gramm - vor 15 Jahren waren es noch mehr als 250 Dollar. Ähnlich stark sind die Drogenpreise auch in den Vereinigten Staaten verfallen.

Was ist der Grund für diese Entwicklung? Und wie sollte die Drogenpolitik in den westlichen Ländern auf diese Entwicklung reagieren?

Zwei europäische Ökonomen haben versucht, diese Fragen zu beantworten. Die Arbeit von Claudia Costa Storti von der portugiesischen Notenbank und Paul de Grauwe von der Katholischen Universität Leuven liefert faszinierende Einblicke in einen Markt, der sonst im Verborgenen liegt.

Gleich in mehrfacher Hinsicht herrschen beim Handel mit Kokain, Heroin und Co. andere ökonomische Gesetze als auf "normalen" Märkten, zeigen die Wissenschaftler. So reagiert die Nachfrage nach Kokain und Heroin wesentlich weniger stark auf Preisänderungen - körperlich abhängige Junkies zahlen nahezu jeden Preis für ihre Droge. Anders als bei normalen Gütern sinkt die Rauschgift-Nachfrage bei steigenden Preisen nur wenig.

Zugleich spielen auch die Herstellungskosten für den Schwarzmarkt-Preis von Drogen nur eine untergeordnete Rolle. Experten schätzen, dass sich die Produktionskosten von Kokain gerade einmal ein Prozent des Straßenverkaufspreises ausmachen.

Der wichtigste Faktor dafür, was man am Frankfurter Hauptbahnhof oder auf dem Hamburger Kiez für Rauschgift bezahlen muss, sind die Provisionen der Zwischenhändler. Diese Handelsspanne hängt unter anderem von der Risikoprämie ab, die Dealer für ihre Tätigkeiten erwarten - schließlich werden Drogenschäfte in den meisten Ländern hart bestraft. Daneben spielen - wie bei legalen Produkten auch - die Transport-, Lager- und Vertriebskosten eine Rolle.

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