Subprime-Krise
Warum hat fast niemand die Krise kommen sehen?

Wer die Subprime-Krise verstehen will, muss verstehen, warum Banken, Ratingagenturen und Investoren so kalt von den steigenden Zahlungsausfällen bei Subprime-Hypotheken überrascht wurden. Vier Ökonomen der US-Notenbank haben daher die Krise nachgespielt – und kommen zu einem erstaunlich klaren Ergebnis.
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DÜSSELDORF. Nach einem Flugzeugunglück schlägt stets die Stunde der Unfallermittler. So genau wie möglich versuchen Luftfahrtexperten, den Ablauf der Katastrophe zu rekonstruieren.

Im Zweifel setzen sie den Jet aus Zehntausenden von Wrackteilen in mühsamer und jahrelanger Puzzlearbeit wieder zusammen. Denn nur wenn die Absturzursache bekannt ist, lassen sich ähnliche Unglücke in Zukunft verhindern.

Das Gleiche gilt für die Finanzkrise, das größte Wirtschaftsunglück seit gut 70 Jahren. Vier Volkswirte der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sind daher vorgegangen wie Unfallermittler in der Luftfahrtbranche.



Die Forscher konzentrieren sich auf eine Frage: Warum hat es die Marktteilnehmer so überrascht, dass so viele der in den Jahren 2005 und 2006 vergebenen Subprime-Hypotheken geplatzt sind? Die massiven Zahlungsausfälle bei den Darlehen an Hauskäufer mit schlechter Bonität sind Kernursache dafür, dass das weltweite Finanzsystem ins Wanken geraten ist. Die Studie mit dem Titel "Making Sense of the Subprime Crisis" erscheint demnächst in der renommierten Fachzeitschrift "Brookings Paper on Economic Activity".

Hätten Banken, Ratingagenturen und Käufer der Wertpapiere, die mit diesen Krediten besichert waren, die Ausfallrisiken nicht so krass unterschätzt, wäre es nach Ansicht der Fed-Ökonomen nicht zu einer Krise dieses Ausmaßes gekommen. Denn wer damit rechnet, dass ein Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten gerät, leiht ihm nicht ohne weiteres Geld – zumindest nicht ohne Sicherheiten und nicht zu günstigen Konditionen.

Die Ökonomen haben unter anderem die folgende Erklärung für die Fehleinschätzung der Ausfallrisiken überprüft: Die Qualität der Hypotheken hat sich nach und nach verschlechtert, und die Investoren haben das nicht bemerkt.

Tatsächlich sind die Anforderungen an die Schuldner in den Jahren 2005 und 2006 spürbar gesunken. So stieg zum Beispiel der Anteil der Kredite, bei denen die Einkommensverhältnisse nicht geprüft wurden, von 20 Prozent im Jahr 1999 auf 35 Prozent im Sommer 2006.

Das allein aber kann den deutlichen Anstieg der Kreditausfälle nicht erklären, stellen die Forscher fest. Denn selbst die riskantesten Darlehen des Jahres 2004 platzten seltener als deutlich solidere Kredite, die 2006 vergeben wurden.

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