Trends
Vergessen Sie alle Prognosen zum Ölpreis

Erdöl hat Kriege verursacht und entschieden, Ländern zu Reichtum verholfen und andere in tiefe Wirtschaftskrisen gestürzt. Nicht nur als Brennstoff für Autos, Flugzeuge und Schiffe ist die Menschheit auf das flüssige Kohlenwasserstoff-Gemisch angewiesen. Und die Chemieindustrie braucht Erdöl unter anderem für Plastik, Farben und Arzneimittel.
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DÜSSELDORF. Der Rohölpreis ist der mit Abstand wichtigste Einzelpreis der Welt. Analysten und Prognostiker treibt er seit Jahren in die Verzweiflung. Kaum ein Experte hatte erwartet, dass das Barrel (159 Liter) der Sorte Brent bis Sommer 2008 auf fast 145 Dollar steigen würde. Genauso überraschend fiel er dann in nur sechs Monaten auf 34 Dollar, seither ist er wieder auf 56 Dollar gestiegen.

Eine befriedigende Antwort darauf, welche Faktoren den Ölpreis treiben, haben Experten bis heute nicht parat. Mit den gängigen statistischen Prognoseverfahren und historischen Daten von 1970 bis 2008 sind keine vernünftigen Aussagen über den künftigen Ölpreis möglich, zeigt James Hamilton, Ökonomie-Professor an der University of California in San Diego, in einer jüngst veröffentlichten Studie.

Wer Anfang 2008 - das Barrel kostete damals 115 Dollar - versucht hätte, aufgrund historischer Muster den Preis für das erste Quartal 2009 zu prognostizieren, wäre laut Hamilton zu einem unbefriedigenden Ergebnis gekommen: Er hätte festgestellt, dass der Preis mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent zwischen 62 und 212 Dollar liegen dürfte. Noch unschärfer wäre eine Vier-Jahres-Prognose gewesen. Anfang 2012 dürfte ein Barrel Öl mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 34 und 391 Dollar kosten.

Auch andere gängige Argumente zur Erklärung der Ölpreis-Entwicklung, etwa steigende Knappheitsaufschläge und die Rolle von Spekulanten, können die heftigen Preisausschläge nicht befriedigend erklären, zeigt Hamilton.

Eindeutig seien nur diese drei Trends auf dem Ölmarkt: Erstens sinkt die Nachfrage nach Rohöl kaum, wenn die Preise steigen. Zweitens steigt im Zuge der Industrialisierung Chinas, Indiens und anderer Länder der weltweite Bedarf an Rohöl. Drittens wird es immer schwerer, die Fördermengen zu erhöhen. Hamilton zieht daraus den Schluss, dass die Preise künftig eher steigen statt fallen.

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