US-Studie zum Konsum: Warum Obamas Steuergeschenke ohne Wirkung bleiben

US-Studie zum Konsum
Warum Obamas Steuergeschenke ohne Wirkung bleiben

Niedrigere Steuern sind für Regierungen eine beliebte Waffe im Kampf gegen die Krise. Doch ob diese Konjunkturprogramme überhaupt wirken, hängt manchmal von ganz profanen Dingen ab.
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LONDON. Selten hat eine Regierung so viele Geschenke an ihre Bürger verteilt wie die amerikanische in den vergangenen beiden Jahren. Zuerst verschickte US-Präsident George W. Bush im Frühjahr 2008 Schecks an die US-Haushalte und zahlte ihnen so Steuern zurück. Jeder Erwachsene erhielt 600 Dollar, jedes Kind 300. Kein Jahr später senkte sein Nachfolger Barack Obama abermals die Einkommensteuer. Verheiratete haben seither bis zu 67 Dollar pro Monat mehr auf dem Konto.

In beiden Fällen wollte die Regierung die Konsumlust am Laufen halten und die Rezession bekämpfen. Das Kalkül ist allerdings nur zum Teil aufgegangen. Warum?

Über die Frage, ob und wann schuldenfinanzierte Konjunkturpakete wirken, zerbrechen sich Volkswirte seit Jahrzehnten den Kopf. So argumentierte der 2006 verstorbene Nobelpreisträger Milton Friedman: Steuersenkungen, die nur vorübergehend das Einkommen der Verbraucher erhöhen, hätten keinen Effekt auf unser Konsumverhalten. Die Menschen seien nicht dumm. Sie würden wissen, dass schuldenfinanzierte Konjunkturpakete später zu höheren Steuern führen. Daher würden sie das Geld nicht ausgeben, sondern sparen.

Realitätstest für berühmte Theorien

Drei US-Volkswirte zeigen jetzt: Für diese These, die als Lebenseinkommens-Hypothese in die Forschung einging, gibt es in der Realität wenig Belege. Tatsächlich entscheiden weit profanere Faktoren darüber, wie die Menschen auf Steuersenkungen reagieren. Technische und organisatorische Details von Konjunkturprogrammen spielen eine viel größere Rolle, als Volkswirten bislang bewusst war.

Das Forscherteam der Federal Reserve Bank und der Universität Michigan hat die Reaktion der US-Konsumenten auf die Steuersenkungen der Jahre 2008 und 2009 im Detail untersucht. Das Ergebnis ihrer Studie mit dem Titel „Check in the Mail or More in the Paycheck“ : Ob die Menschen das Geld ausgeben, hängt stark davon ab, auf welchem Weg sie es bekommen. Zieht der Staat seinen Bürgern weniger Steuern vom Gehalt ab, geben sie viel weniger aus, als wenn ihnen einmalig ein Scheck ins Haus flattert.

Grundlage der Studie von Claudia Sahm, Matthew Shapiro und Joel Slemrod ist eine monatliche Umfrage unter US-Verbrauchern der Universität Michigan und der Nachrichtenagentur Reuters, die ein viel beachteter Frühindikator für die US-Konjunktur ist. Die Volkswirte haben zusätzliche Fragen zu den Steuersenkungen in der Umfrage untergebracht.

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