Webdesign
Was ein Mausklick über den Charakter verrät

Internetnutzer sind verschieden: Der eine mag Grafiken und Bilder, der nächste liest gerne Texte, wieder andere gerne Tabellen. Trotzdem bekamen bisher alle einheitliche Internetseiten präsentiert. Das soll bald vorbei sein: MIT-Forscher haben ein Verfahren entwickelt, das erkennt, wie ein Internetnutzer tickt - und die Website sofort anpasst.
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DÜSSELDORF. Die Sache klingt nach Zukunft und irgendwie ein bisschen unheimlich: Eine Webseite, die schon nach wenigen Klicks erkennt, wie ein neuer, anonymer Besucher tickt und in welcher Form er am liebsten Informationen präsentiert haben möchte - und die sich dann blitzschnell und von selbst an den individuellen Geschmack anpasst.

Wer zum Beispiel eine Vorliebe für Grafiken und Bilder hat, bekäme weniger Text angezeigt als jemand, der gern lange Artikel liest. Wer jedes einzelne Produktmerkmal haarklein vergleichen möchte, sähe automatisch detaillierte Tabellen. Und wer vor einem Kauf gern Meinungen anderer Konsumenten hört, bekäme Erfahrungsberichte anderer Kunden präsentiert - voll automatisiert und ohne dass der Onlinenutzer merkt, dass es auch andere Versionen der Seite gibt.

Geht es nach einem vierköpfigen Forscherteam des Massachusetts Institute of Technology (MIT), dann könnten Webseiten mit solchen Chamäleon-Eigenschaften schon bald Realität sein.

Für den britischenTelekommunikationskonzern BT haben die Forscher solch eine Seite für den Vertrieb von schnellen Internetzugängen bereits programmiert und ausführlich getestet - offenbar mit durchschlagendem Erfolg, berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der BWL-Fachzeitschrift "Marketing Science".

Der Ansatz der MIT-Forscher unterscheidet sich fundamental von bisher angewendeten Techniken zur Personalisierung von Onlineangeboten. Bislang können Internetnutzer manche Seiten selbst so umbauen, wie sie ihnen am besten gefallen. Manche Internethändler wie Amazon personalisieren die Seiten für Stammkunden auch auf der Basis von früheren Besuchen.

Das Verfahren, das die Forscher um den Marketing-Professor John Hauser entwickelt haben, soll dagegen in der Lage sein, einen neuen, anonymen Besucher automatisch und auf der Basis weniger Mausklicks in verschiedene Nutzerkategorien einzuordnen, um sich dann automatisch an dessen individuelle Vorlieben anzupassen. Die Forscher nennen ihr Verfahren "Website Morphing" und sehen es als ein Beispiel für "eine gezielte, an einzelne Kundensegmente angepasste Marketing-Kommunikation".

Das zentrale Unterscheidungskriterium mit Blick auf die Nutzer ist, wie man Informationen verarbeitet und Entscheidungen trifft. Die Forscher sprechen von individuellen Wahrnehmungsvorlieben ("cognitive styles") - ein Begriff, der aus der Erkenntnispsychologie stammt.

Demnach unterscheiden sich Menschen zum Beispiel darin, ob sie verbale oder visuelle Informationen bevorzugen, ob sie Entscheidungen schnell und spontan oder nach reiflicher Überlegung treffen oder ob sie Dinge analytisch gegliedert oder ganzheitlich betrachten. Hauser und Co. unterscheiden vier Dimensionen von Wahrnehmungsvorlieben, aus denen sie 16 verschiedene Nutzertypen ableiten, für die sie acht verschiedene Versionen der Internetseite entwickelt haben.

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  • Na dann kommt auf die Agenturen in Zukunft wohl noch mehr Programmierarbeit zu :)

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