Wissenswert
Harvard-Studie stellt Keynes Theorien infrage

In Krisenzeiten soll der Staat mehr ausgeben und so die Privatwirtschaft stimulieren - die Theorie des Ökonomen John Maynard Keynes erlebt seit 2008 eine Renaissance. Doch eine neue Studie zeigt nun das genaue Gegenteil.
  • 20

LondonJohn Maynard Keynes ist einer der ganz wenigen klaren Gewinner der Finanz- und Wirtschaftskrise. Seit den 70er-Jahren waren die Theorien des britischen Ökonomen weitgehend aus der Mode geraten - doch seit 2008 erleben sie ein Comeback erster Klasse. „Der Meister“, frohlockt Keynes-Biograf Robert Skidelsky, „ist zurückgekehrt.“

Ökonomen der Harvard-Universität warnen in einer neuen Studie aber vor zu viel Euphorie. In wirtschaftlich normalen Zeiten seien die Möglichkeiten des Staats, die private Wirtschaft mit Ausgabenprogrammen zu stimulieren, ziemlich begrenzt. Gebe der Staat mehr Geld aus, verdränge das zum Teil Aktivitäten der Privatwirtschaft.

Unter Volkswirten wird dieses Phänomen seit Jahrzehnten unter dem Begriff „Crowding out“ diskutiert. Wie relevant dies in der Realität ist, ist aber heftig umstritten, denn die Folgen von Fiskalpolitik sind in der Realität nur schwer zu messen. Schließlich beeinflussen sich Staatsausgaben und Konjunktur gegenseitig, Ursache und Wirkung lassen sich dabei nur schwer voneinander trennen.

Die drei Harvard-Forscher haben einen Weg gefunden, dieses Problem zu lösen - dank einer Besonderheit des amerikanischen politischen Systems: Die Vorsitzenden wichtiger Ausschüsse im Senat und Kongress nutzen ihre Macht systematisch, um ihren Wählern etwas Gutes zu tun - sie leiten staatliche Mittel massiv in ihre Heimatregionen um. Wenn der Vorsitz in einem Ausschuss wechselt, steigen dadurch in US-Bundesstaaten die Staatsausgaben schlagartig, ohne dass dies irgendetwas mit der Konjunkturlage vor Ort zu tun hätte.

Seite 1:

Harvard-Studie stellt Keynes Theorien infrage

Seite 2:

Gründe für das „Crowding out“ sind unklar

Kommentare zu " Wissenswert: Harvard-Studie stellt Keynes Theorien infrage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ach so, da haben Sie ja was ganz tolles mit Ihrer Laengsschnittanalyse herausgefunden, dann koennen Sie sicher auch erklaeren, warum die Oekonomien von ES und IRL jetzt so miserabel dastehen, wie erinnern uns, IRL und Es hatten ein geringeres debt/GDP Verhaeltnis als DE. Oder haben Sie es gemacht wie alle Oekonometriker, Daten die das Ergebnis kaputtmachen einfach weglassen? Mathematisch koennte ich Ihnen die Richtigkeit des Haavelmo Theorems in 5 Minuten beweisen. Und natuerlich hat nie ein ernstzunehmender Oekonom vorgeschlagen, man muesse auf Dauer Staatsschulden aufbauen, woher haben Sie das? Nur in der Krise sollte man es eben tun, unabhaengig von der Frage wie hoch die Staatsschulden schon sind. Und es bezweifelt auch niemand ernsthaft, dass es bei Vollbeschaeftigung der Wirtschaft zu Crowding-out Effekten kommt.
    Und die Staatsschulden, die aufgrund der Bankenkrise entstanden sind (Bankenrettungen, auch Griechenland ist eine Bankenrettung), die haben nun wirklich nichts mit Keynes zu tun.

  • besonders interessant hierzu die lange baudauer von öffentlich finanzierten gebäuden. allerdings kann man da schlecht wanderarbeiter aus rumänien für n paar euro die stunde einstellen. effizienz hat eben auch negative externe soziale effekte

  • für mich ist das drama, dass sehr viele theoreme, (neo)-klassische wie keyensianische, ziemlich hingewürgt und undifferenziert sind, selten empirisch überprüft sind und zumeist jedenfalls universell überhaupt nicht gelten. aber den ganzen mist muss man bis heute lernen und weiß wenig damit anzufangen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%