Wissenswert Was die Abwrackprämie gebracht hat

Dieses Programm hat das ganze Land bewegt. So sehr, dass „Abwrackprämie“ zum Wort des Jahres 2009 wurde. Doch was hat die fünf Milliarden Euro teure Aktion der Konjunktur letztlich gebracht? Mit einer neuen Methode können US-Forscher erstmals eine seriöse Antwort auf diese Frage geben. Ihr Fazit ist vernichtend.
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Was hat die Abwrackprämie gebracht? Mit einer Antwort tun sich Volkswirte schwer. Quelle: dpa

Was hat die Abwrackprämie gebracht? Mit einer Antwort tun sich Volkswirte schwer.

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LONDON. Mitten in der tiefsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression hatten viele Autohersteller 2009 plötzlich ernsthafte Lieferschwierigkeiten. Bis zu fünf Monate mussten sich Kleinwagen-Käufer gedulden – weil die Regierung Neuwagen mit 2500 Euro bezuschusste, wenn man gleichzeitig ein altes Auto verschrottete. Ein Programm, das das ganz Land bewegte. So sehr, dass die Gesellschaft für deutsche Sprache „Abwrackprämie“ zum Wort des Jahres 2009 wählte.

Doch was hat die fast fünf Milliarden Euro teure Aktion für die Konjunktur gebracht? Mit einer seriösen Antwort tun sich Volkswirte schwer. Ein einfacher Blick in die Zulassungsstatistiken sagt nicht viel aus. Schließlich weiß niemand, wie viele der 1,7 Millionen staatlich geförderten Autos früher oder später ohnehin gekauft worden wären.

Um das abschätzen zu können, müsste man im Idealfall zwei Regionen vergleichen – eine, in der es die staatlichen Zuschüsse für Neuwagenläufer gab, und eine, in der sie nicht existierten.

Zwei amerikanische Volkswirte haben genau das versucht – am Beispiel des US-Pendants zur Abwrackprämie, einem Programm mit dem Spitznamen „Cash for Clunkers“ („Bares für Schrottlauben“). Im Sommer 2009 bekamen Neuwagen-Käufer zwei Monate lang 4500 Dollar vom Staat, wenn sie ein Altauto verschrotteten. Rund 680 000 Amerikaner nahmen diese Förderung in Anspruch.

Die Ökonomen Atif Mian (University of California, Berkeley) und Amir Sufi (University of Chicago) nutzten in ihrer Studie mit dem Titel „The Effects of Fiscal Stimulus: Evidence from the 2009 ,Cash for Clunkers' Program" regionale Unterschiede in den USA aus: In manchen Städten waren deutlich mehr Fahrzeuge, die für die Abwrackprämie infrage kamen, zugelassen als in anderen Orten des Landes.

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9 Kommentare zu "Wissenswert: Was die Abwrackprämie gebracht hat"

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  • Unter dem Strich für die Konjunktur bleibt ein positiver zeitlicher Effekt, der aber allem Anschein nach nur ein halbes Jahr währt. Man könnte nun die Vorteile daraus bewerten, sozusagen den Umsatz hierüber aufzinsen.

    Allerdings steht auf der Negativseite eine erhebliche Staatsausgabe, die erstens nicht mehr für andere Zecke zur Verfügung steht und die zweitens auch Kosten verursacht hat. Unser Staat lebt schließlich auf Pump und zahlt jede Menge Zinsen.

    Fazit:Rechnet man Vorteil und Nachteil zusammen, dürfte das Ganze teurer Aktionismus gewesen sein.

  • Durch das Vorziehen der Autokäufe ist es zumindest in Deutschland gelungen, die Stahlproduktion weiterlaufen zu lassen. Das ist deshalb bedeutsam, weil es viele Monate dauert, einen Stahlofen herunterzufahren und viele Monate ihn zu starten. bei derart erheblichen Anpassungskosten kann das Vorziehen der Nachfrage die Konjunktur sehr wirksam stabilisieren.

  • Durch das Vorziehen der Autokäufe ist es zumindest in Deutschland gelungen, die Stahlproduktion weiterlaufen zu lassen. Das ist deshalb bedeutsam, weil es viele Monate dauert, einen Stahlofen herunterzufahren und viele Monate ihn zu starten. bei derart erheblichen Anpassungskosten kann das Vorziehen der Nachfrage die Konjunktur sehr wirksam stabilisieren.

  • Der Vergleich berücksichtigt nicht die konjunkturell bedeutsamen Folgewirkungen der Abwrackprämie. Wenn in der Autobranche zunächst mehr Nachfrage und Einkommen entsteht, steigt der Konsum auch in anderen Sektoren der Volkswirtschaft. Der Multiplikatoreffekt erhöht das Sozialprodukt um mehr als die Prämienzahlung. Die daraus resultierenden Mehreinnahmen des Staates dürften die Prämie locker finanzieren.

  • Die Autoren der Studie haben nichrt erkannt worum es ging: Zeit gewinnen und über den Absturz hinweg Jobs erhalten. Von dauerhaft zusätzlichen Jobs war nie die Rede. Es ist schon traurig, wenn heutzutage kaum noch ein Ökonom versteht, was Fiskalpolitik leisten kann und soll.

  • Die Frage bleibt, ob wir alle eine "sowjetische Planwirtschaft" mit Lenkung wollen.
    Mein "frei" verfügbares Einkommen ist dank der vielen Segnungen ohnehin klein; und schon jetzt frage ich mich, was der Staat mit meinen Ersparnissen machen wird: Gebäudesanierung oder Abgabenerhöhungen. Wahrscheinlich beides.
    ich habe da ohnehin nichts zu melden.

  • Alles schön und gut, jedoch wird in keinem Wort erwähnt, dass der Staat durch den Mehrverkauf an Autos auch hohe MwSt-beiträge kassiert hat.

    Neuwagenpreis: ~ 20.000 (N)
    MwSt-betrag: ~ 3800
    = Fazit: 3800-2500: (+) 3800.

    Also hat der Staat durch die Abwrackprämie ein enorme Steuereinnahmensteigerung hingelegt. Durch diese Zusatzeinkünfte konnte das Geld in Löscher reingesteckt werden, in denen es fehlte. banken.
    Das blöd ist nun, wenn die wissenschaftlichen Erkenntnisse stimmen, so wird sich die Anzahl der verkauften Autos normalisieren und somit ein riesigen Loch im Haushalt der bundesregierung aufreisen, da die Autos, die mehr verkauft wurden, sowieso gekauft werden würden und die MwSt somit über ein längeres Zeitintervall reinkommen würde.

    Falls meine Vermutung richtig ist.

  • Muss man zu der Erkenntnis wirklich Forscher sein.

    Jeder vernünftige bürger weis im Gegensatz zu banken und Staat und Politik offensichtlich dass man Geld nur einmal ausgeben kann.

    Nahezu alle aktuellen Themen Nutzlosigkeit 1 € Job, Krankenproblematik, Rentenversicherung, integrationsdebatten, Anstieg der kriminalität nach Grenzöffnung, Niedriglohnspirale durch Niederlassungsfreiheit, Wegfall Festanstellungen durch Zeitarbeitsfirmen, Finanzieller Kollaps vieler europäischer Staaten wurden von einigermassen klar denkenden Menschen ziemlich exakt vorhergesagt. Lediglich im Wolkenkuckucksheim der Politik sieht man dies wohl anders. Diejenigen welche die Probleme klar ansprechen werden auch mit tatkräftiger Unterstützung der Presse, Versetzt, in den Ruhestand geschickt, Weggemoppt oder Mundtotgemacht.

  • Das war doch von vorne herein klar. Reale Werte zerstören (!) damit neue subventioniert werden. Das ist purer irrsinn. Hätte man die mal lieber weiterverkauft anstatt Würfel draus zu machen. Politik hat noch nie viel Gehirn bewiesen, aber für die nächsten Wahlen brauch man natürlich was womit man sich rühmen kann. Armes Deutschland

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