Wissenswert
Wie das Geschäft von Lobbyisten funktioniert

Drei Ökonomen liefern in einer Studie faszinierende Einblicke: Sie fanden heraus wie die Strippenzieher arbeiten und wann sie eine hohe Durchschlagskraft haben. Das Ergebnis: Direkte Kontakte mit der Politik zahlen sich für Lobbyisten aus.
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DÜSSELDORF. Sage mir, wen du kennst, und ich sage dir, was du kannst", lautet ein Sprichwort, das Lobbyisten oft, aber nicht gern zu hören bekommen. Ihnen wird unterstellt, dass es in ihren Job auf gute Argumente kaum ankommt. Gefragt sei eher die Fähigkeit, Politikern bei Häppchen oder Dreigangmenüs die eigene Sicht der Dinge schmackhaft zu machen.

Drei Ökonomen liefern in einer empirischen Studie faszinierende Einblicke, wie das Geschäft von Lobbyisten funktioniert. Die Forscher von der London School of Economics kommen zu dem Schluss: Wie erfolgreich Lobbyisten sind, steht und fällt einzig damit, wie gut sie mit der Politik verknüpft sind. Direkte Kontakte in die Parlamente zahlen sich für die Interessenvertreter finanziell aus - wenn sie ihr Netzwerk verlieren, müssen sie enorme finanzielle Verluste hinnehmen. Oder anders ausgedrückt: "Sage mir, wen du kennst, und ich sage dir, was du verdienst."

Grundlage der Arbeit sind Daten aus dem US-Lobbyistenregister. In der amerikanischen Hauptstadt müssen alle 14 000 Lobbyisten regelmäßig öffentlich machen, für wen sie arbeiten und wie viel sie verdienen. Ihre deutschen Kollegen dagegen konnten bisher eine ähnliche Regel erfolgreich verhindern.

Und die delikaten Erkenntnisse der Londoner Studie werden den Willen zur Transparenz nicht gerade fördern. Die Forscher untersuchten das Einkommen derjenigen 1 100 Washingtoner Interessenvertreter, die nicht direkt bei speziellen Verbänden oder Firmen angestellt sind, sondern für kleine Kanzleien arbeiten, die Lobbyaufträge von unterschiedlichen Unternehmen bekommen. Knapp die Hälfte von ihnen hatte vorher für Abgeordnete im US-Kongress gearbeitet.

Für diese sogenannten Drehtür-Lobbyisten, die direkt aus der Senatsverwaltung zur Lobby wechseln, interessierten sich die Forscher besonders. Denn an ihnen konnten sie genau überprüfen, ob sich die Berufserfahrung im Staatsapparat später im Lobbybetrieb finanziell auszahlt. Das Ergebnis: Wer die Drehtür genommen hat, verdient mit stolzen 320 000 Dollar pro Jahr im Schnitt doppelt so viel wie ein Kollege, der vorher nicht für einen Abgeordneten tätig war. Dabei gilt: Je länger der frühere Arbeitgeber schon im Parlament sitzt und je mächtiger die Ausschüsse sind, denen er angehört, desto höher die Einnahmen des Lobbyisten.

Ein kausaler Zusammenhang müsse das noch nicht sein, schreiben die Autoren. Es könne auch das individuelle Talent schuld daran sein, dass man erst einen guten Job im Parlament bekommt und später als Lobbyist viel Geld verdient. Eine zweite Analyse bestätigte den Verdacht, dass vor allem persönliche Beziehungen zu Geld gemacht werden. So prüften die Forscher, wie sich das Einkommen eines Lobbyisten entwickelt, wenn der Abgeordnete, für den er früher gearbeitet hat, das Parlament verlässt. Die Daten zeigen einen dramatischen Einkommensverlust von 180 000 Dollar pro Jahr. Wird der Abgeordnete abgewählt, enden also auch die goldenen Zeiten des Lobbyisten.

Die Forscher haben sich bei ihrer Analyse ausschließlich auf ehemalige Arbeitgeber konzentriert und Kontakte zu anderen Senatoren oder Ministern, die jeder Parlamentsmitarbeiter natürlich auch knüpft, vernachlässigt. Daher glauben sie, "dass unsere Ergebnisse den Marktwert von politischen Beziehungen eher noch unterschätzen".

"Revolving Door Lobbyists" von Jordi Blanes i Vidal, Mirko Draca und Christian Fons-Rosen, Arbeitspapier (Juli 2010) Link zur vollständigen Studie: www.handelsblatt.com/links

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