Zuwanderung und Arbeitsmarkt
Arbeitsmarkt: Ausländer keine Konkurrenz für Deutsche

Nehmen Ausländer Deutschen die Arbeit weg? Ein italienisches Forscherteam stellt fest: Zuwanderer und Einheimische stehen auf dem Arbeitsmarkt nicht im Wettbewerb miteinander. Für die USA zeigt eine zweite Studie: Wenn viele niedrig qualifizierte Einanderer in einer Stadt leben, arbeiten hoch qualifzierte Frauen mehr - weil sie Hausarbeit und Kinderbetreuung besser organisieren können.
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"Ausländer nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg" - mit dieser dumpfen Parole gehen Rechtsextreme seit Jahren auf Wählerfang. Demokratische Politiker halten zwar argumentativ dagegen, folgen aber zum Teil ähnlichen Reflexen. So ist Deutschland eines der wenigen EU-Länder, das so lange wie möglich seinen Arbeitsmarkt abschotten will.

Tatsächlich aber ist die Befürchtung negativer Arbeitsmarkteffekte von Zuwanderung weit überzogen - zu diesem Schluss kommen gleich zwei neuere Studien von Wirtschaftswissenschaftlern. Einiges spricht sogar dafür, dass die Öffnung des Arbeitsmarktes für Ausländer positive wirtschaftliche Beschäftigungseffekte haben kann.

Einwanderer, so das Kernergebnis beider Arbeiten, konkurrieren in hoch entwickelten Industrieländern nicht um die Jobs der Einheimischen. Weil sie oft Sprachprobleme haben und über eine schlechtere Ausbildung verfügen, sind sie in unterschiedlichen Arbeitsmarkt-Segmenten tätig. Im Fachjargon der Ökonomen ausgedrückt: Aus- und inländische Arbeitskräfte sind keine perfekten Substitute.

Ein dreiköpfiges italienisches Forscherteam führt diesen Zusammenhang am Beispiel von Deutschland in den neunziger Jahren vor Augen. In dieser Zeit gab es - unter anderem aufgrund der Spätaussiedler - auf dem westdeutschen Arbeitsmarkt erhebliche Zuwanderung. Die Folgen für die Beschäftigung haben die Ökonomen Francesco D?Amuri, Gianmarco Ottaviano und Giovanni Peri in einer Studie untersucht, die vergangene Woche als Diskussionspapier des Londoner Center for Economic Policy Research erschienen ist.

Die Wissenschaftler arbeiteten mit detaillierten Informationen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das jährlich für zwei Prozent der Erwerbstätigen sehr genaue, individuelle Daten erhebt. Diese Statistiken liefern ein repräsentatives Abbild der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung und enthalten Informationen über Nationalität, Ausbildung, Zeiten der Arbeitslosigkeit und Höhe des Verdienstes.

Die Forscher fütterten all diese Daten in ein theoretisches Modell zum deutschen Arbeitsmarkt. Und sie stellten fest: Für die deutsche Bevölkerung brachte die Zuwanderung selbst kurzfristig keinerlei Nachteile auf dem Arbeitsmarkt. "Wir können mit Blick auf das Beschäftigungsniveau jegliche negativen Effekte für die einheimischen Arbeiter sicher ausschließen", so das Fazit der Autoren.

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