Ölpreis
„Billigeres Öl wirkt wie Konjunkturprogramm“

Der Ölpreissturz lässt Russland leiden, aber die Weltwirtschaft kaum, ist IfW-Präsident Dennis Snower überzeugt. Bundesbankpräsident Jens Weidmann prognostiziert sogar positive Impulse für die deutsche Wirtschaft.
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Kiel/FrankfurtDer Preisverfall beim Öl hat aus Sicht des Ökonomen Dennis Snower für die Weltwirtschaft kaum negative Folgen. „Aber es gibt natürlich Verlierer, und der größte Verlierer unter den Öl exportierenden Ländern ist Russland“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) der Deutschen Presse-Agentur. In Deutschland trage der niedrige Preis wesentlich dazu bei, dass 2015 das Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte höher als im Vorjahr erwartet wird. Insgesamt aber seien die direkten Effekte für Deutschland nicht so groß, weil es nicht sehr ölintensiv wirtschafte, so Snower.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann sieht das billigere Erdöl als eine Art Konjunkturprogramm. „Die Verbraucher und Unternehmen müssen dafür weniger ausgeben und können mehr konsumieren und investieren“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Die bisherigen Prognosen der Bundesbank zur wirtschaftlichen Entwicklung hätten den Ölpreisrückgang noch nicht im vollen Umfang widergespiegelt. Seit dem Stichtag für die Prognosen sei der Preis noch einmal um rund 25 Prozent gefallen. Das sei enorm und führe dazu, dass die Preise für zahlreiche Güter sinken, denn ihre Produktion werde günstiger. „Gleichzeitig stimuliert das die Wirtschaft.“

Nach derzeitigem Stand - und wenn der Ölpreis so niedrig bleibe - heiße das, 2015 werde die Inflation noch niedriger als gedacht, das Wachstum aber besser. Weidmann betonte aber auch: „Als Notenbanker müssen wir auch immer die Kehrseite der Medaille im Blick behalten. Wir müssen aufpassen, dass die Menschen im Euroraum nicht auch künftig solch eine niedrige Inflation oder gar fallende Preise erwarten.“

Zumal der Preis für den begehrten Rohstoff nicht für immer so niedrig bleiben dürfte. Längerfristig erwartet Snower einen höheren Ölpreis, weil die Umstellung auf erneuerbare Energien lange dauern werde.

Wie dramatisch die Folgen des aktuellen Kursrutsches für Russland sein werden, hängt aus Sicht Snowers wesentlich davon ab, wie die Finanzmärkte reagieren und wie viel Kapital aus dem Land abfließt. Bei einem entsprechenden Ausmaß der Krise könnte es dazu kommen, dass Russland seine Schulden nicht mehr bedienen kann. „Die Frage wird dann sein, wie es damit politisch umgeht“, sagte Snower. Heftige Reaktionen könnten große ökonomische Auswirkungen haben. Dieselbe Überlegung gelte für den Iran.

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