Ölpreis
China steckt beim Spritpreis im Dilemma

China hat mit einer deutlichen Erhöhung der Kraftstoffpreise auf das Ölpreishoch reagiert - endlich. Die Probleme der staatlich kontrollierten Niedrigpreise sind dem Land wohl über den Kopf gewachsen. Marktpreise wurden damit noch längst nicht eingeführt, denn die Regierung subventioniert Benzin und Diesel nach wie vor. Treibstoff zum Weltmarktpreis hätte verheerende Folgen.

DÜSSELDORF. Autoschlangen vor den Tankstellen waren lange Zeit nichts Ungewöhnliches im Straßenbild vieler chinesischer Städte. Die niedrigen Kraftstoffpreise luden zum Tanken ein. Nach der staatlich verordneten Preiserhöhung, die heute in Kraft getreten ist, könnte sich die Belagerung der Zapfsäulen erst mal auflösen.

Von einem Tag auf den anderen müssen Chinas Autofahrer nun bis zu 18 Prozent mehr für Benzin und Diesel bezahlen. Die Großhandelspreise für Flugbenzin verteuerten sich sogar um ein Viertel.

Mit der Preiserhöhung reagiert China erst spät auf den weltweiten Ölpreisanstieg - eine Entwicklung, die das Land selbst mit verursacht hat, denn der chinesische Öldurst hat die Weltmarktpreise stark in die Höhe getrieben.

In China selbst wurden die Kraftstoffpreise dagegen künstlich niedrig gehalten: Nur etwas mehr als umgerechnet 50 Euro Cent kostete der Liter Benzin lange Zeit an chinesischen Tankstellen. Gemessen an der Kaufkraft des Yuan und den niedrigen Einkommen der meisten Chinesen ist das zwar nicht so billig wie es klingt. Doch eine deutliche Subvention der heimischen Wirtschaft waren die Niedrigpreise allemal. Etwa 9 Prozent musste die Regierung für jeden Liter Benzin drauflegen, was die Staatskasse jährlich um die 65 Milliarden Euro kostete.

Aber auch nach dem jüngsten Preisschritt bleibt der Sprit in China immer noch stark subventioniert. Die neuen Literpreise von jetzt umgerechnet 58 bis 67 Euro Cent liegen nach wie vor deutlich unter Weltniveau. Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Verbraucher sind trotzdem nicht zu unterschätzen. Denn wenn der Treibstoff zu Weltmarktpreisen verkauft würde, könnten viele chinesische Bauern ihre Landmaschinen nicht mehr betreiben und dem wachsenden Mittelstand würde der Spaß am eigenen Fahrzeug schnell vergehen - mit verheerenden Folgen für die Automobilindustrie.

Bei der Preiskontrolle, nicht nur für Sprit, befindet sich die chinesische Regierung in einem Dilemma. Einerseits soll eine moderate Preiserhöhung bei Rohstoffen das Wirtschaftswachstum dämpfen und Umweltschäden verringern. Andererseits soll die Inflation gebremst werden, um soziale Spannungen zu vermeiden.

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