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Arbeitslosenzahl sinkt im Oktober unerwartet deutlich

Die Zahl der registrierten Arbeitslosen ist in Deutschland im Oktober deutlicher gesunken als für die Jahreszeit üblich. Die Bundesagentur führt dies auf "Effizienzfortschritte bei der Vermittlung" zurück. Gleichzeitig musste die Behörde wieder Deprimierendes verkünden.

NÜRNBERG. Die Arbeitslosenzahl sank im Oktober um 94 000 auf 4,56 Millionen. Das ist deutlich mehr als saisonüblich. Dennoch sei es zu früh, von einer echten Trendwende zu sprechen, erläuterte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, heute bei der Vorlage des Arbeitsmarktberichts. „Wir haben noch keine Wende, aber es gibt einige positive Tendenzen.“

Üblicherweise sinkt die Zahl mit der Herbstbelebung im Oktober um etwa 50 000. Den starken Rückgang in diesem Jahr führt die BA unter anderem auf Effizienzfortschritte bei der Vermittlung zurück. Zunehmend mehr Menschen würden bereits während der Kündigungsfrist für ihre alte Stelle auf neue Arbeitsplätze vermittelt. Ein weiteres günstiges Indiz sei, dass die Betriebe mehr offenen Stelle meldeten.

„Größte Sorgen“ bereitet dem BA-Chef weiter der Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Im August, dem aktuellsten Erhebungsmonat, gab es 26,3 Millionen dieser Normalarbeitsverhältnisse, 370 000 weniger als ein Jahr zuvor. Für den Winter schließt er einen erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit über die Fünf-Millionen-Marke nicht aus. Üblicherweise steigt die Zahl im Winter um eine halbe Million. Entscheidend werde daher die Witterung sein. Dämpfende Effekte durch eine beginnende Belebung der Konjunktur und die schon umgesetzten Arbeitsmarktreformen seien absehbar.

Optimistischer bewertete der scheidende Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) die Zahlen. Offenkundig seien nun „die ersten Erfolge dieser Arbeitsmarktreformen zu ernten“, sagte er in Berlin. Immerhin sei die Arbeitslosenzahl seit dem Rekord von 5,216 Millionen im Februar um 650 000 gesunken.

Durch die bereits erzielten Effizienzfortschritte benötigt die BA für 2005 einen deutlich geringeren Bundeszuschuss als erwartet. Statt kalkulierter vier Milliarden würden nur bis zu 2,5 Milliarden Euro nötig sein, sagte Finanzvorstand Raimund Becker. Zugleich bekräftigte er die Einschätzung, dass die BA ihren Beitragssatz 2006 ohne neue Zuschuss von 6,5 auf 6 Prozent senken könne.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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